Die Mischung macht‘s: Der Popticker führt noch einen neuen Popanalyse-Begriff ein
Wir hatten es hier im Popticker bereits des öfteren mit dem Begriff des Genrekaraoke zu tun. Damit meine ich eine Spielart der Popmusik, bei der sich eine Band oder InterpretIn einem Musik-Genre zuwendet, in dessen Gewässern man diese eher nicht vermutet. Eines der erfolgreichsten Alben des Genrekaraokes ist Robbbie Williams‘ „Swing when you‘re winning“, bei dem sich Williams mit Big Band und Swingklassikern als verspätetes Mitglied des Rat Pack inszenierte und sich so den Swing zu eigen machte. Das war eine Platte des Genrekaraokes in Reinform über ein ganzes Album. Queen etwa perfektionierten das Genrekaraoke für teils nur ein Lied oder nur einen B-Teil eines Liedes und gossen ihren Popentwurf in die Ausgiessformen von Bluegrass, Rockabilly oder Operabend und blieben doch immer sie selbst.
Heute sei noch eine Sub-Spielart des Genrekaraokes im Pop benannt: Das Genrekaraokecover. Dabei kopiert eine Band oder InterpretIn einen Musikstil, in dem sie dann wiederum bekannte Popsongs covert. Wer mit diesem Konzept unfassbaren Erfolg hat ist die Formation „Boss Hoss“: Sie spielen die Charts des Jahres in Country-Rock-Gewand. Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt auch derzeit wieder Sasha mit seinem Nebenprojekt „Dick Brave & The Backbeats“, mit denen er eine ähnliche Charts-Songauswahl für einen Rockabilly-Sound adaptiert. Drittes Beispiel für das Konzept des Genrekaraokecovers sind die französischen „Nouvelle Vague“, die auf drei Alben Synthiepop- und Waveklassiker (vornehmlich der 80er) im sanften Sambagewand und mit wechselnden Sängerinnen veröffentlichen und damit bis heute die Cafélounges der mittleren Grossstädte bedudeln. So clever das Konzept des Genrekaraokescovers dabei auch sein mag, steckt darin auch immer eine gewisse Ideenarmseligkeit, den für Pop so wichtigen Höreffekt, Neues wieder erkennbar zu machen, auf eigensinnigerem Wege in die Tat umzusetzen.
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