Dietmar Poppeling und David Gieselmann sind begeistert vom Finale von „Unser Star für Baku“
Herr Poppeling, nun steht es also fest: Unser Star für Baku heisst Roman, und sein Lied „Standing Still“ ist von Jamie Cullum.
Ich habe mir gestern vor dem Fernseher die verbleibenden Haare gerauft, weil diese Idee, Roman etwas von Jamie Cullum singen zu lassen, absolut brillant ist.
Warum rauften Sie sich dann die Haare?
Einfach, weil ich nicht auf diese Idee gekommen bin; alles, was wir bislang gesagt hatten zu Songs, die Roman singen könnte, war denn doch recht dürftig, es war eigentlich nur, dass sie nicht zu sehr wie Nickelback klingen dürfen, und hier muss man sagen, hat Thomas D sich einmal mehr richtig Gedanken gemacht - ganz gleich, ob man nun auf Jamie Cullum gekommen ist, weil man das Lied auf dem Tisch hatte, oder weil man tatsächlich dachte, ob nicht Cullum einen Song in der Schublade hat, der auf Roman passt: Das Lied, das Roman nun singt, ist in meinen Augen rein vom Song her, der beste, den wir überhaupt je zum Songcontest geschickt haben. Ever! Er ist sogar besser als „Satellite“, denn „Satellite“, machen wir uns nichts vor, ist kein Song, der ohne Lena gewonnen hätte, aber was eben so grossartig daran ist, dass Roman nun eine Komposition von Jamie Cullum singt, ist, dass Cullum es versteht, die Songdynamiken des Jazz in die magischen drei Minuten der Pop-Konvention zu übersetzen. Okay, bei ihm selber dauern Lieder dann doch meistens vier Minuten, aber, was Cullum an dynamischen Umschwüngen, an Breaks und melodischen Finessen in einen Popsong bekommt, ist doch sehr erstaunlich, und diese Dynamik kommt der Art und Weise, wie Roman singt und auftritt, seht entgegen. Alles in allem kann also sagen: Zu sagen, ich wäre von der Kombination von Roman und seinem zuvor ihm zugewählten Lied begeistert, wäre eine gnadenlose Untertreibung.
Fassungslosigkeit: Roman Lob unmittelbar nach seinem Sieg
Mir geht es ähnlich, und man muss glaube ich nach all dem Geläster, an dem wir uns ja auch beteiligt haben, - Sie haben das in unserem letzten Gespräch schon angedeutet - nun auch mal so ehrlich sein und sagen: Das tatsächliche Ergebnis der ganzen teils etwas langwierigen Prozedur ist einfach wirklich grandios, und insgesamt war gestern ein ungeheures Bemühen zu spüren, für Ornella und Roman adäquate Songs zu finden. Ornellas zarte, zerbrechliche, disneyhafte Ballade „quietly“ mag nun nicht gerade unser beider Geschmack bedienen, aber darum geht es ja erst mal nicht; erst mal geht es darum, dass da eine Sängerin ist, die, weil sie es ins Finale geschafft hat, Songs braucht die für den ESC funktionieren könnten, und die anfängliche Songwahl hat dann auch noch mal gezeigt, wie störend über all die Wochen diese Blitztabelle war: Endlich ging es um Musik. Ich habe hier wirklich vor dem Fernseher und vor allem vor den Boxen gesessen und habe versucht, mir ein Bild von den Liedern zu machen. Wir wollen nun nicht wieder mit diesem Voting-Bashing anfangen, weil es heute wirklich mal darum gehen soll, das Ergebnis zu geniessen, aber wie ich sagte: Als man anfänglich die Lieder für Ornella und Roman wählte, war die Wahlatmosphäre sozusagen sehr professionell, und das hat mir gefallen.
Absolut richtig, was Sie da sagen, Herr Gieselmann - nachher kam dann doch wieder die Blitztabelle, aber da kannte man dann die Lieder schon, und Ornella und Roman kannte man auch, und als sich dann Ornella kaum mehr über die 49,7 % herüber bewegte, hatte man trotz Knappheit dann das Gefühl, dass der Lutsch dann doch gedroppt war. Das Entscheidende gestern war wohl, dass sowohl Ornella als auch Roman mit ihren Songs, die ihnen zugewählt wurden, sehr zufrieden waren: Ornella wollte „Quietly“, Roman wollte „Standing Still“, und dann wurde eben zwischen zwei Beiträgen gewählt. Dieses Final-Konzept, das es damals auch bei Lena und Jennifer gegeben hat, bei dem also erst das Lied und dann der tatsächliche Gewinner gewählt wird, ist wirklich klasse, und das sollte man unbedingt beibehalten.
Ein paar Worte vielleicht noch zu den anderen Liedern?
Mir gefiel für Roman nach „Conflicted“ ganz gut, wobei ich den Komponisten, Michael Mullholland, der auch schon auf Wikipedia genannt wird, nicht kenne, aber es war gestern so klar, wer welches Lied präferiert, und wer welches Lied am besten singt und wer mit welchem Lied beim ESC die besten Chancen hätte, dass ich mich mit den anderen Songs eigentlich gar nicht mehr unbedingt auseinander setzen möchte.
Hat man denn sie eigentlich nie gefragt, ob Sie noch einen Song hätten? Immerhin weist ihre Diskografie den ein oder anderen Hit auf.
Für „Unser Star für …“ nicht, nein - ich hätte vor Jahren etwas für die Band, die bei „Fame Academy“ heraus kam, schreiben sollen, hab‘ aber zum Glück meine Finger davon gelassen. Ich würde mich wahrscheinlich auch nicht mehr fragen, meine Zeit ist gewesen, fraglos, da kann ich mich jetzt grämen und geisseln, aber ich bin zu alt, um einen Song für jemanden wie Roman zu schreiben oder einen geschrieben zu haben, der für ihn passen könnte.
Uns bleibt also vorerst nur ein kleiner Ausblick auf den ESC selber.
Sie schreiben ja, wie Sie sagten, auch an einem Text über die Frage, wie Teilnehmer in Baku mit der politischen Situation Aserbaidschans umgehen könnten, aber Sie fragen jetzt wohl nach einer musikalischen Prognose. Ich bin da jetzt mal optimistisch, nachdem wir bei Lena ja auch sehr spät die These gewagt haben, sie könnte gewinnen: Roman kommt, da bin ich mir absolut sicher, unter die Top 10. Ob es für mehr reicht, wird auch sehr davon abhängen, wie man seinen Auftritt in Baku inszenieren wird. Da darf man weiterhin gespannt sein. Für mich gilt vorerst: „Standing Still“ rauf auf den iPod und geniessen, dass Deutschland ein für alle man aus dieser unsäglichen „No-Angels-Alex-Swings“-Ära des Grand Prix raus ist , ohne dass die Fussstapfen von Lena nun ZUUU gross wären, und dass wir mit einem Song von Jamie Cullum antreten. Alter hier! Roman Cullum!
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Dietmar Poppeling war unter Gehard Schröder Popbeauftragter der Bundesregierung, er lebt heute als Poptheoretiker und -produzent in Nürnberg und ist immer wieder gern gesehener Gast hier auf dem Popticker - insbesondere, wenn es um den Grand Prix geht. Poppelings Facebook-Seite findet sich < HIER >
Diese Lobhudelei von Roman ist ja grauenhaft!
Ich finde den Gewinnersong mittelprächtig und bin gespannt,
wie er abschneidet.
Ich mag diese Art der Musik nicht und finde es schon
frech, wie Lenas Satellite bewertet wird. Unmöglich!
Ornella finde ich besser, sowohl in der Stimme als auch im
Aussehen :-))
Zum Abschluß, ich lese diesen Blog eigentlich gerne.
Auch wenn ich nicht immer der gleichen Meinung bin...diesen
Beitrag zu USFB ist einer der schlechteren.
Schönen Abend!
Kommentiert von: FreierBaer | 17. Februar 12 um 21:54 Uhr
Ich möchte Stefan Raab zitieren: "It's a boy!" Wer an der Großartigkeit von Roman Lob und Cullums "Standing still" noch zweifelt, oder schlicht unentschlossen ist, der möge sich bitte den norwegischen Beitrag zum diesjährigen Song-Contest anhören/-sehen und sehr erleichtert und selbstbewußt sein.
Zudem bin ich völlig verwirrt: ich finde "Standing still" auch außer-ESC-kontextuell phantastisch!
Das ist eine Premiere. (Ich verfolge den ESC - einst noch GPE - seit 1977)
Kommentiert von: Tim Grobe | 17. Februar 12 um 16:59 Uhr