Der rätselhafte Erfolg von Frida Gold
(Folge 13 in der Rubrik "der rätselhafte Erfolg von ...")
Das Rätselhafteste des Erfolges der Band Frida Gold ist die Frage, ob er überhaupt existiert - im Sinne von Verkaufszahlen und Charterfolgen. Mit Platz 25 der Albumcharts zwei Wochen nach Erscheinen der Debut-CD „Juwel“ der Formation scheint dies gar nicht der Fall zu sein, dennoch wird Frida Gold hoch gehandelt und war einige Wochen und Monate lang so präsent auf den Bildflächen des Pop, dass man zwangsweise der Gefühl bekam, man habe DEN Trend des Jahrzehnts verpennt. Ganz so ist es sicherlich nicht, wenngleich die Musik dieses Pop-Acts schon bemerkenswert ist, aber ihr Erfolg ist im gewissen Sinne inhaltlicher Bestandteil ihrer Musik und Erscheinungsform: Dieser schwebende Glibber-Glubbel-Bubbel-Pop braucht aus Prinzip ein wenig Distanz zu den potentiellen Rezipienten, ohne einen gewissen Glamour bleibt er sozusagen unsichtbar, und so tat dann die Plattenfirma Warner-Music das einzig Richtige, um die neuen Schützlinge sichtbar zu machen: Sie behaupteten deren Erfolg. Plötzlich waren Frida Gold aller Orten, die Sängerin Alina sass in der Eurovision Songcontest-Jury, die Band trat beim Comet auf und bei der ESC-Party auf der Reeperbahn auf, man lancierte TV-Auftritte und Specials auf Viva, tape.tv und mtv.de, und man verschaffte Frida Gold Vorgruppentermine bei der Deutschlandtour von Kylie Minogue.
Kylie Minogue ist dann vielleicht auch ein gutes Stichwort, um dem Soundimage und Popentwurf der Band einen Vergleich zur Seite zur stellen (neben „Paula“, die Anfangs der Nullerjahre mit „Als es passierte“ einen Hit hatten), denn der tanzbare und versiert produzierte Bubbel-Pop flibbert ebenso unverhohlen oberflächlich durch die Boxen wie der der Königin des Lalala-Pop-Nullmeridians, und die durch die deutschen Texte zeitweilig entstehende Nähe zum deutschen Schlager ist wahrscheinlich durchaus bewusst gesetzt, wie überhaupt Frida Gold in ihrer Gesamtheit doch reichlich erdacht daher kommen und nichts dem Zufall überlassen scheint. So ist denn auch die Zusammenstellung der Band mit einer bildhübschen topmodelhaften Schönheit als Sängerin und drei neben ihr dann doch recht unauffälligen Band-Nerds irgendwie beispiellos und wirkt gerade dadurch konsequent und logisch. Man möchte gar nicht wissen, wie oft Alina Süggeler wahrscheinlich nahegelegt wurde, sie solle ihre Bandkollegen doch über Bord werfen, aber mit dem Bandnamen, der auch als Soloname durchgegangen wäre, hat man vielleicht einen Kompromiss gefunden, der dann auch wieder deswegen logisch scheint, weil die Musik der Formation ebenso bandmusiziert wie für eine Solokünstlerin vorproduziert daher kommt.
So konstruiert das also alles zu scheint, ist einer solchen Musik, zumal mit deutschen Texten, der Erfolg zu gönnen, der von der Plattenfirma bislang nur behauptet zu sein scheint und an Frida Gold spätestens mit der zweiten Platte die Anforderung richtet, sich jenseits der Vermarktungsbehauptung zu behaupten.
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