Nicole Scherzinger unternimmt einen letzten verzweifelten Versuch einer Solokarriere
Nicole Scherzinger ist das Gesicht der Pussycat Dolls und eine der am meisten gegooglten Damen der Welt. Dennoch scheiterte ihre Solokarriere jenseits von Google-Bildersuche in Sache Popmusik bislang völlig: Nicht eine Solosingle konnte sich in den amerikanischen Charts platzieren und auch in Europa war der Erfolg bescheiden. Anhand der neuen Single „Poison“ und dessen Video von Clip-Titan Joseph Kahn, wohl ihre letzte Chance auf eine Solokarriere, kann man exemplarisch ablesen, an welchen Infekten Mainstreampop leidet, wenn er generalstabsmässig für die Charts geplant wird: Viele Köche verderben den Brei.
Das Lied ist so ein Hitschubladenhüter, an dem, seit es die Hitschublade hütet, noch mindestens vier Texter und fünf KomponistInnen herum geschustert haben. Heraus kommt ein Flickenteppich, der sozusagen in seinen Einzelelementen komplett durchdacht ist, den aber keiner noch mal ganz angehört hat und gesagt hat: Von einem Lied ist nichts mehr übrig, lasst uns noch mal von vorne anfangen. Also wurde das ganze produziert und bei der Produktion ist dann sicherlich noch mal dasselbe passiert: Mindestens vier Top-Produzenten haben den Song durchgemastert, der eine hat es ein wenig gagasiert, weil man in dieser Zeit nicht glaubt, etwas im Pop erreichen zu können, wenn nicht irgendein Fitzelchen an Lady Gaga erinnert, dann hat der nächste es noch ein wenig in Richtung RnB getrieben, dann wurde der Brei gemastert, und geremastert und noch mal ergänzt und was weiss denn ich was noch alles, und nun ist der Track fertig, es ist kein Lied mehr übrig, keine Musik, kein Nix, und keiner hat was falsch gemacht, aber das Ergebnis ist der grösste Mist, den man sich überhaupt denken kann. Und niemand hat die Reissleine gezogen. Es zeigt sich das, was für alle Popmusik, Techno, Folk, Rock, House, was auch immer eben, gilt: Verkrampfung ist der schlechteste Berater, und wenn man in keinster Weise mehr spürt, dass irgendwer mal irgendwas mit dieser Musik will, ausser sie erfolgreich zu machen, kommt ein kaltes Stück Zeit dabei heraus, das das Fingerheben zum Löschen nicht wert ist. Da kann dann Joseph Kahn noch so sehr eines seiner typisch bescheuerten Big-Budget-Videos drehen, bei denen man nie so genau weiss, wie ernst er das meint: Wer keine Musik zur Verfügung hat, kann eben auch keine Musikvideo drehen.
Aus der Reihe "Der rätselhafte Erfolg von ... " die Folge über die Pussycat Dolls.
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