Die Kapitäne der Binnenironie tauchen in einer Geisterbucht
Die „Drei ???“ sind inzwischen so etwas wie die Kapitäne des Popzeitalters der Binnenironie geworden: Ohne all zu grosse Umwege haben sie ihre einstigen Teenager-Hörer ins neue Jahrtausend mitgenommen, und diese Hörer gieren nach ständig neuen Geschichten, die sie einerseits mit gebührendem Abstand albern - als auch mit Leidenschaft spannend finden wollen. Mit einigen verschieden langen Pausen haben sie so also seit 1979 regelmässig Hörspiele veröffentlicht und bis heute um die 41 Millionen Tonträger verkauft - eigentlich unfassbar. Soeben ist mit Folge 150 „Die Geisterbucht“ eine Box mit insgesamt 3 CDs erschienen, auf welchen die Drei ??? einem rotleuchtenden Saphir suchen und gleichzeitig versuchen dessen Besitzergeschichte aufzuklären.
Was mit einem bekannten Muster beginnt, - ein Verstorbener hinterlässt einen Rätselvers - und sich auch sonst mit gewohnten Erzählmitteln weiter spinnt (Beobachtetes aussprechen, Witze über Justus Figur machen, Dinge finden, die sofort wieder gestohlen werden, aus versperrten Kellern entkommen, sich aus Flammeninfernos retten etc.), entpuppt sich mit zunehmender Dauer als ein etwas zu kompliziertes Tableau von Figuren, Intrigen, Anschlägen und Entführungen, die man selbst nach zweimaligem Hören nicht wirklich überschauen kann. Wenn Peter Shaw in der letzten Folgen mehrmals anmerkt, er steige nun überhaupt nicht mehr durch, führt das zwar einerseits zu einer gewissen unmittelbaren Identifikation mit Peter, kann aber eben auch ungewolltes Gelächter auslösen: Ob die längst verstorbene Schönheit Anudhara nun für den indischen Geheimdienst oder als Juwelendiebin gearbeitet hat, und ob sie den Saphir „Der Stern von Kerala“ einst nun beim Pokern gewonnen oder verloren hat, interessiert nicht mehr, weil man es eh wieder vergessen wird. Ein wenig zwiespältig ist das Hörvergnügen somit trotz toller
Besetzung (Anna Thalbach als falsche Krankenschwester, mein lieber Freund Tim Grobe, selber Fan, als einer von „Rashuras“ Spiessgesellen, ein nicht zu erkennender Olli Dittrich als zwielichtiger, indischer Polizist): Einerseits will man ja den Effekt, dass Justus wie immer mehr begriffen hat als alle anderen, andererseits will man zumindest seinen Schlussmonolog verstehen, in dem er dann alles aufklärt.
Das ändert aber nichts daran, dass die „Drei ???“ in ihrem Schwebezustand zwischen „sie haben immer existiert“ und „sie haben sich irgendwann wieder zusammen getan“ so etwas wie die Duran Duran oder die Spandau Ballet des Hörspielmarktes geworden sind und ebenso wie diese die o2-World ausverkaufen können. Es ist eben schon so, dass wir fast 40-jährigen Pophörer hin und wieder vergessen wollen, dass wir nicht mehr 17 sind.
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