Norah Jones nimmt glückliche Pillen
Vor ziemlich genau zehn Jahren erschien das Debut-Album von Norah Jones „Come away with me“. Ihr Label, Blue Note, hoffte insgeheim auf ein Überraschungserfolg von etwa 300.000 verkauften Platten. Stand heute wurde das Album 20 Millionen mal verkauft: Die seichte Mischung aus Jazz, Folk, Country und Pop in Kombination mit Jones‘ einprägsamer, leisen und gleichzeitig unglaublich vollen Stimme traf einen Nerv, das Album wurde zur Konsensplatte - trug ihr aber auch den nachhaltigen Ruf ein, von dem Erfolgsrezept fortan nicht mehr abzuweichen und sich als Warmduschjazzerin zu ergehen. Dieser Back-Clash lenkte von der Tatsache ab, dass sich in Jones‘ Musik durchaus die Prioritäten verschoben. So etablierte sich die Sängerin und Keyboarderin als zuverlässige Duettpartnerin in unterschiedlichsten Musik-Genres - das Album „… featuring Norah Jones“ gibt hier einen hörenswerten Überblick -, während sie mit ihrer Band zusammen den Grundsound ihrer Musik mehr in Richtung Folk bugsierte und zunehmend einen Klang einwob, der seine Melodien aus den 70ern und wiedererkennbaren Flower-Power-Harmonien zu holen schien. Das letzte Album „The Fall“ war insgesamt zeitgemässer als Norah Jones Ruf. Im letzten Jahr erschien mit dem Pseudo-Italo-Western-Soundtrack „Rome“ von Daniele Lupi, Danger Mouse, ihr und Jack White eine Platte, bei der Jones erstmalig die Bravheit ablegte, die viele an ihr langweilig finden. Und Pop-Superhirn Danger Mouse ist es nun auch, der Norah Jones‘ am ersten Mai erscheinendes Album produziert hat - das lässt dann schon aufhorchen. Die soeben erschienene erste Single „happy pills“ allerdings lässt nun nicht gerade darauf schliessen, dass Jones einen kompletten musikalischen Wandel vollzogen hat: Der Uptempo-Song plätschert in jenem lapidaren Folkjazzgewand durch die Boxen, den nie zu verlassen ihr gerade unterstellt wird. Da Norah Jones aber sicherlich keine Single-Künstlerin ist, sondern sich ihr Pop-Entwurf in seinen leichten Variationen erst mit einem ganzen Album erschliesst, muss man auf exakt dieses Album, „… little broken hearts“ betitelt, erst einmal warten, um sich ein Bild zu machen. Vorerst bleibt zu sagen: „Happy Pills kann man auch wieder öde finden - ich mag‘s trotzdem.
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