Kitsch und Kairos
Songs zum Sonntag /// 240219

Songs zum Sonntag /// 030219

RiffDie Israelische Sängerin Riff Cohen hat bislang mit zwei Alben einen grandiosen Weltpop erfunden, der mit arabischen Beats, drei Sprachen und französischen Melodien von zerrissener Fröhlichkeit erzählte. Die neue Single „tomber de haut“ gibt sich verhältnismäßig gradlinig chansonhaft und zurückhaltend französisch - wenig überraschend, lebt Cohen doch seit 2008 in Paris. Das Lied ist ungewöhnlich für sie, aber nicht nur weil man das so denkt, wenn man ihre bisherige Musik kennt, meint man, hier schlummert irgendwas drin, in dieser Ballade, das sich frei brechen könnte - düster und in Moll leitet sie ein, um dann indiepophaft pseudoharmonisch fast zu plätschern, und man denkt eben die ganze Zeit, jetzt passiert gleich was ganz, ganz Anderes, aber diese Schwebe hält sich in der Schwebe - das ist wirklich gross und gibt Anlass zu größten Hoffnungen bezüglich des Albums, das sich bestimmt anschliesst. /// VampireVampire Weekend haben ja auch einen weltmusikalischen Indiepop erfunden, Afrobeats zwischen Paul Simon und „feels so unnatural, Peter Gabriel too“. Nach drei Alben hat der Gitarrist die Band verlassen, und sie haben sehr lange über neuen Songs gegrübelt. So ganz verrät die neue Single „Harmony Hall“ noch nicht, wo die Reise hingeht, der letzte Melodie- und Beat-Kick fehlt mir noch, das ist ein wenig zu nah am easy-listening - kann meine Vorfreude auf das Album aber jetzt auch nicht zerstören. /// CoreyVor ein paar Tagen habe ich ein altes Album von Corey Hart aus dem Regal gezogen, „Fields Of Fire“, sowas wie eines der Lieblingsalben, die man nicht an die grosse Glocke hängt, weil man weiss, dass das peinlich sein könnte und nicht zum Distinktionsmerkmal im eigenen Musikgeschmack taugt. Schwamm drüber. Aber wie es der Zufall will hat der Sänger, der mit „sunglasses at night“ seinen grössten Hit hatte justament an dem Tag, an dem ich besagtes Album aus dem Regal zog, das erste Lied einer bald erscheinenden EP veröffentlicht: „dreaming time again“ ist etwas saftloser Country-Rock, und würde man nicht wissen, dass das Corey Hart ist, man würde es nicht erkennen. Ein Lied, das mich zwar irgendwie freut, das man aber auch wirklich nicht rasch wieder vergessen kann. Welches? /// AnnettFür Annett Louisan wiederum sind die schönsten Wege aus Holz. Aus dem Versteckspiel von Konkretion und Symbolen, dem Wechselspiel von Rätselhaftem und Klarem schlägt diese Sängerin und Texterin oder Mittexterin ihrer eigenen Lieder immer wieder lyrisch singbares Kapital, und immer wenn man denkt, jetzt wird es zu naiv oder zu zerbrechlich oder zu albern oder zu kitschig kommt noch einmal eine andere Strophe um die Ecke, und auf ähnlichem Wege funktioniert das erste Lied, wie gesagt „die schönsten Wege sind aus Holz“, der neuen Platte „grosse kleine Liebe“ - ein verschwindend instrumentierte Klavierballade, die fast wie von einer Spieluhr instrumentiert wirkt, und darauf der klar an der Sprechmelodie entlang hangelnde Gesang - das kann so nur sie, und auch wenn man’s nicht mögen muss, was muss man schon mögen: Ich mag es.

Die Links: Riff Cohen < HIER > /// Vampire Weekend < HIER > /// Corey Hart < HIER > /// Annett Louisan < HIER >

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