Musik aus der Postdepression der Musikindustrie (04): „Señorita“
Ausweglos schön

Oh my god, I think it’s Karma

Zentrale Erkenntnisse über Liebe und Angst

Marina-capa-do-disco-Love-FearMarina Lambrini Diamandis sucht schon seit ein paar Jahren die Formel für den perfekten Popsong, und die Suchprotokolle ihrer Forschungsarbeiten bündelt sie immer wieder in Alben. Für ihre Forschungszwecke stehen ihr eine fantastische Stimme und ein präzises Gespür für Melodien zur Verfügung, Melodien, die ihre Kunstfertigkeit von voller Brust- in seichte Kopfstimme und wieder zurück zu kippen, herausfordern, um mit diesen Stimm-Brüchen auch Stimmungen zu brechen. Mit diesen klaren Mitteln findet sie Songs, deren plötzliche Banalität sich mit suchender Ernsthaftigkeit vermischen, zuletzt bündelte sie ihre Lieder auf zwei Alben, die als eines erhältlich sind: „Love & Fear“.

Die Songs auf „Love“ handeln dabei ebenso von Angst, wie die ängstlichen Lieder von Liebe berichten, und aus all diesen gezielten Widersprüchen schält sich ein Sammelsurium von erratischer Popschönheit. Wermutstropfen auf diesem nahezu perfekten Pop-Album: Die Produktion ist ein wenig einlullend, die Lieder klingen durchweg wie aus einem Guss, und die beschriebenen, disparaten Widersprüche werden so ein wenig eingeebnet. So lange aber so schrullig blubbernde Uptempo-Nummern wie „Karma“ dabei heraus kommen, genügt das, um erstaunt schmachtend auf diese Musik zu achten und jemandem dabei zuzuhören, die verstanden hat, was Popmusik alles kann. Marina Lambrini Diamandis ist ohne jede Frage eine der tollsten Popstars, die wir 2019 haben.

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