Mit Du und Nyckelharpa
Wer fragt denn das?

Traurigkeit mit Kontext

Lana Del Reys grandioses Album „Norman Fucking Rockwell“

Wollte man eine Entwicklung in Lana Del Reys’ Musik über inzwischen 5 Alben benennen, so könnte man sagen, dass der Grundsound ihrer Musik im Laufe der letzten sieben Jahre einen Tick handgemachter geworden ist - mehr Piano, mehr tatsächliche Streicher, weniger Elektronik. Sonst hat sich nicht viel getan, noch immer wird mit pastellfarbener Unterkühlung ein hollywoodhaftes Amerika herauf beschworen, das sich in lethargischer Verzückung in Autokinos und American Diners abspielt. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Musik insgesamt schärfer, queerer, wütender und, ja, politischer klingt. Vermutlich liegt das daran, dass sich das tatsächliche Amerika so radikal von dem entfernt hat, nachdem sich die Musik von Lana Del Rey sehnt. Der Popentwurf, der einst eine marketing-originelle Attitüde im Pop-Zirkus war, wurde zu einem aufmüpfig utopischen Statement, und damit einher ging, dass Elizabeth Wooldridge Grant, wie Lana mit bürgerlichem Namen heisst, sich immer mehr mit der ursprünglich recht anonym-öffentlichen Kunstfigur Del Rey identifizieren kann

Bildschirmfoto 2019-09-27 um 13.04.06Hinzu kommt, dass Lana Del Reys’ Songwriting sich dieser gesteigerten Identifikation und Bedeutung ihrer Musik bewusst zu sein scheint, und die Doppeldeutigkeiten in den neuen Songs ganz herrliche Kurven, Umwege und Irrtümer provozieren. Das fängt schon mit dem Titel-Lied „Norman Fucking Rockwell“ an, in dem der besungene Rockwell, amerikanischer Maler und Illustrator, erfolgreich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, plötzlich als Maler und Erfinder der Figur Lana Del Rey angesprochen wird - da findet das schraffiert-utopische, in sich ruhende Amerika Anschluss an seine patriotischen gemalten Ursprünge. Das ist ein wahnsinnig kluger und bewegender Song. Der dann mit dem zweiten Stück auf der Platte „Mariners Apartment Komplex“ noch gesteigert wird: „You took my sadness out of context / at Mariners Apartment Komplex“ - ein unheimlich präsenter, traurig hoffnungsvoller Folksong. Das dritte Lied sucht dann wieder in der Norman Rockwell - Illustrator - Lana Del Rey - Schleife Umwuchten: „You write, I tour, we make it work / You're beautiful and I'm insane / we’re American made“. Und so schön klingen die Klaviere und Streicher.

So geht das weiter, 4 Seiten, 14 Lieder lang, kein Ausfall - ein verstörend amerikanisches, erratisches Album voller Traurigkeit und trotziger Hoffnung, wenn das letzte Lied dann „hope is a dangerous thing for a Woman like me to have - but I have it“ heisst. Ich war bislang nicht Fan von Lana Del Rey, aber „Norman Fucking Rockwell“ ist nicht weniger als ein fucking Meisterwerk.

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