Deluxe in der DNA
Alben & Songs 2019

Von Chamberpopschaum umgeben

Wenn nur noch Koch-Rezept-Allegorien helfen, muss die Musik wunderbar sein: Das Album „Athena“ von Sudan Archives

SudanArchives_Athena_410Es gibt im Songwriting einen grundlegenden Unterschied zwischen MusikerInnen, die auf der Gitarre komponieren und denen, die am Klavier Lieder schreiben. Fast immer kann man das auch hören - wer zum Beispiel an Songs von Elton John denkt, denen hört man das Piano auch dann an, wenn es in der letztendlichen Aufnahme, die man kennt, gar nicht oder zumindest nicht vordergründig zu hören ist. Nun ist „Sudan Archives“ auf den Plan des Pop getreten, und es gibt keinen Zweifel, dass das komponierende Instrument bei ihr die Geige ist. Das allein schon ist bemerkenswert, aber bei Sudan Archives kommt hinzu, dass die Geige nicht nur so gespielt und eingesetzt wird, wie man das von einer Geige gewohnt ist, denn hier legt die Violine rhythmische Pfade, wird betrommelt und geloopt, agiert melodisch gegenläufig zur Stimme, und ihr Klang wird elektronisch verfremdet - heißt mithin: „Sudan Archives“ komponiert nicht nur mit ihrem Instrument, sie legt mit ihm auch den Grundstein für Produktion und Sound ihrer Musik.

Heraus kommt dabei eben Musik, wie man sie noch nicht gehört hat, ein diffuser RnB mit polyrhythmischen Jazztupfern von Chamberpopschaum umgeben und mit Texten besungen, die von Kindheit und der Idiotie einer erwachsenen Welt erzählen, von Befreiung, Liebe und absurd auferlegten Beschränkungen - sowie Sudan Archives sich das Geigespiel selber beigebracht hat, so steht sie in der Welt, und davon erzählt ihre Musik in Form und Inhalt. Das Debüt-Album von ihr, „Athena“, ist eine der bemerkenswertesten Platten der letzten Jahre.

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