Eklektisch elektrischer Hedonismus
/// Songs zum Sonntag /// 30082020

Unter Beat verkauft

Robin Schulz ist kein Musiker

Derzeit auf Platz 6 der offiziellen deutschen Single-Charts ist der Song „Alane“ von Robin Schulz und Wes. Dieses Lied war bereits 1997 in den Hitparaden: Der französische Musiker und Produzent Michael Sanchez und der kamerunische Sänger Wes Madiku hatten sich unter dem Namen „Wes“ Bildschirmfoto 2020-08-26 um 12.01.59zusammen getan und aus Synthiepop und Weltmusik einen chartkompatiblen Sound diffundiert, der in „Alane“ zum Ohrwurm und Hit wurde. Schon Ende der 90er wurde das Hörerlebnis aber irgendwie durch einen bitteren Beigeschmack betrübt - zumindest mir ging es so. Lieber hätte man genauer gehört, was Wes Madiku ohne europäische Soundscapes singt. Die Kombination aus Eurodance und fanfarisch-euphorischer Melodie schien irgendwie gelogen, und das Video unterstrich zudem die leicht esoterische Tendenz in dem Weltpopentwurf. Wes-Kollege Michael Sanchez hatte schon mit seiner Band „Deep Forest“ Klangteppiche mit ethno-haften Fieldrecordings und Samples gewürzt und so einen unangenehm aneignenden Ambientpop erschaffen. Und trotz all dem war „Alane" zu geniessen, weil Madiku ein wirklich toller Sänger ist.

Der deutsche DJ und Produzent Robin Schulz hat nun 23 Jahre später nicht anderes getan, als etwas, das schon einmal geklappt hat, in einen nicht einmal all zu originellen Remix zu giessen - eigentlich ist es nocht einmal ein Remix, es ist eine Unterbeatung, das ist Robin Schulz' Rezept, und er hat auch kein Anderes: Für die, die es schon kennen, funktioniert es wieder, und für die, die es nicht kennen, funktioniert es zum ersten Mal. Seine Entscheidung, dieses Lied unter seinem eigenen Namen noch einmal zu veröffentlichen, ist die Entscheidung eines Kurators von Playlisten, der auch einen Drumcomputer besitzt. Er eignet sich etwas an, das ohnehin schon ein aneignendes Geschmäckle hatte - heraus kommt ein ekelhaftes Machwerk aus rein ökonomischen Interessen; und der endgütige Beweis, dass Robin Schulz nicht den Beruf eines Musikers ausübt. Das einzig Positive an der Wiederveröffentlichung ist, dass auch Wes Madiku davon profitiert: Er hat seine Parts noch einmal neu eingesungen und verdient an dem Erfolg der Unterbeatung mit.

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