Songs zum Sonntag

Songs zum Sonntag

Bildschirmfoto 2022-07-17 um 11.05.38heute aus Norwegen /// 170722 /// a-ha / I’m in /// Seit einer Doku über die Band „a-ha“ wissen wir, dass die drei Norweger mitnichten drei enge Freunde sind, sondern für ihre Existenz als Band über Missgunst, Skepsis und Genervtheiten hinweg kämpfen müssen. Einmal haben sie sich auch schon aufgelöst und dann wieder zusammen gerauft. Nun erscheint Ende des Jahres eine neues Album, „True North“, und die erste Single ist soeben erschienen Sie heißt „I’m in“ und ist ein klassischer a-ha-Song: orchestraler Pathos, Harkets Falsett-Gesang und getragene Melodie - Bildschirmfoto 2022-07-17 um 11.05.19immer ganz nah zu Kitsch und Bombast bekommen sie auch hier wieder die Kurve zu nonchalantem Pop. So treu sie sich da also bleiben - brauchen tut man das nicht, aber dass sie das, was sie können, immer noch können, ist schon auch toll. /// Ka2 & Gabrielle / i natt /// Bleiben wir doch einfach mal in Norwegen: „Ka2“ spielen einen herrlichen Synthiepop mit sommerlichem easy-listening, ablenkend gut gelaunt und fluffig. Ihre neue Single mit der ebenfalls norwegischen Sängerin „Gabrielle“ ist in meinem iPhone schon zum Sommerhit geworden: Uptempo-Mittwipp-Beat, flächige Synths und herrliches Norwegisch, das ich so gerne höre - nordischer kann ein Song kaum in die Sonne passen. /// Links /// a-ha / I'm in (video) /// Ka2 & Gabrielle / i natt (audio) ///


/// Songs zum Sonntag /// 220522 ///

Bildschirmfoto 2022-05-22 um 13.26.11/// "BABE" ist eine Band, die fast schon nach IDEAL klingt. Und aus Berlin sind sie auch. Aber eben eine junge Band, ein Duo - schorfige Gitarren, Drauhautrommeln und ein wenig Echo-Effekte in Popräume - drei Singles gibt es bisher, und wie diese heißen, setzt auch ein wenig die thematische Farbe: „Irgendwie egal“, „Keiner kennt Dich“ und „Dagegen“. Um Letzteres Bildschirmfoto 2022-05-22 um 13.24.58„Dagegen“ soll es hier gehen, ein Song wie ein Rant gegen das Alleinsein mit plötzlicher Melodie, wodurch eben wütender Pop entsteht. Wie immer, wenn junge Leute irgendwo gegen sind, fragt man sich irgendwann auch mal, wofür sie denn dann auch sind, aber es is das Privileg der Wut und der jungen Menschen, darauf keine Antwort haben zu müssen. Für einen Song reicht es allemal. Da warte ich gerne auf mehr. /// Bisschen Wut würde der Band „Jante“ vielleicht ganz gut tun - ihre Jack-Johnson-Referenz-Single „Zeit, dass es warm wird“ kommt so relaxed daher, dass man, wenn man nicht gerade im Rosé in der Hand Lachs auf dem Grill wendet, ein wenig ins Zucken gerät: Macht doch mal ein wenig Power Freunde, Bildschirmfoto 2022-05-22 um 13.26.38ihr seid doch eine Band! - aber ein wenig Rosé-Sehnsucht tut doch vielleicht auch ganz gut, und thematisch an Rudi Carrels „Wann wird’s mal endlich wieder Sommer“ zu erinnern, kann man auch nicht wirklich verurteilen. /// Maggie Roggers, deren Home-Made-Dreampop einst einen berühmten Produzenten Tränen in die Augen trieb, ist auch entspannt, aber ihre neue Single "That's where I am" hat auch blumige Tiefe, erzählt in kurzen Momentaufnahmen von New York und ist ein klassische Songwriting-Ballade irgendwo zwischen Folk und Synthpop. Die Art und Weise, wie hier aus recht privaten Zeilen gesellschaftlich Übergreifendes aufscheinen lässt, ist eine Kulturtechnik britischen Pops: „I found a reason to wake up / Coffee in my cup / Start a new day / Wish we could do this forever / And never remember / Mistakes that we made.“ - mich rührt das zutiefst, ein wunderbarer Song. ///

Links zu den Musikvideos:

BABE "dagegen"

Jante "Zeit, dass es warm wird"

Maggie Rogers "That's where I am"


Kafkas Tomatensaft

„Forian Paul + die Kapelle der letzten Hoffnung“, ihre neue Single "heile Welt" und das Video dazu, das ein Trailer ist

Zeitweise, noch vor der Pandemie, konnte man in den Speisewagen der Deutschen Bahn das Gefühl bekommen, das alkoholfreie Weizenbier sei das Adäquat zum Tomatensaft im Flugzeug geworden - man bestellt es wie selbstverständlich kurz nach Göttingen, obgleich man niemals sonst alkoholfreies Weizenbier trinkt, und am Nebentisch bestellt es dann auch jemand - eben so, wie man Tomatensaft trinkt, wo die Freiheit wohl grenzenlos scheint. Aber einmal bekam ich es nicht, mein Weizen ohne Alkohol.

Heile_welt_szene

Es war im Eurocity nach Prag, auch wenn ich nur nach Berlin fuhr, der Zug geht nach Tschechien, und führt einen tschechischen Speisewagen, das Essen dort ist viel besser, aber Weizenbier haben sie nicht, jedenfalls kein Alkoholfreies. Aber sie sind ein wenig altmodisch eingerichtet, viel schöner als die modernen ICEs oder der hässliche ICE 4 gar, der gar keine Speisewagen-Flair mehr entfachen kann, und ich schaute aus dem Fenster des tschechischen Speisewagen-Flairs mit einem Bier ohne Weizen und ohne ohne Alkohol, und ich denke damals auf einmal: Bin ich hier also in einem Wes Anderson-Film.

„Wie in einem Wes Anderson Film“ ist ein wenig die Allzweckformulierung für farblich abgestimmte Retro-Atmosphäre mit Einsamkeit und schrulligen Menschen geworden, und vielleicht geht einem heutzutage „bisschen wie bei Wes Anderson“ all zu rasch über die Lippen - so wie „kafkaesk“. Wes Anderson steht also im selben Verhältnis zu Kafka wie das alkoholfreie Weizen zum Tomatensaft. Naja. Sicher ist indes: Von meinem tschechischen Bier hätte ich vielleicht gar nicht erzählen sollen, denn um so weniger glaubwürdig habe ich mich dadurch gemacht, wenn ich nun sage: Das neue Musikvideo zu dem Song „Heile Welt“ von „Florian Paul + die Kapelle der letzten Hoffnung“ wirkt ein wenig wie aus einem Film von Wes Anderson Film gegriffen. Ich habe es aber dennoch so eingeleitet, weil ich poetischer darüber schreiben wollte, als über andere Deutschpopmusik.

Heile Welt CoverIn erwähntem Musikvideo jedenfalls wohnen eine Frau und ein Mann in einem Raum, den sie nicht zu verlassen scheinen - weil sie nicht wollen, weil sie nicht können, weil sie nicht dürfen? Wir wissen es nicht. Verpflegt sind sie ausreichend mit Ravioli in Dosen, die ein wenig an Warhols Tomatensuppe erinnern; und das ganze Szenario also ist farblich abgestimmt und schrullig. Manchmal wackelt ein Regal. Ungglücklich scheinen die beiden nicht, aber insbesondere die Frau sehnt sich woanders hin, möchte hinaus, offenbar gibt es noch andere Räume, und an sich wähnen die beiden diese Räume leer. Später werden sie diese anderen Räume erkunden, die Frau wird vorgehen, und sie werden auf andere Leute treffen, eine Bar, eine Party, das sieht man auch hier schon, aber wirklich erzählt wird dies wohl erst in dem gesamten Film, denn dieses Musikvideo ist gleichermassen ein Trailer zu einem Musikfilm, und dieser Film begleitet die neue Platte von „Florian Paul“. Film wie Platte werden „auf Sand gebaut“ heissen - ein ungewöhnliches Vorhaben mit deutscher Popmusik, von dem wir hier im Popticker noch hören werden.

Florian Paul und seine Kapelle haben den Sound ihrer Musik schon in ihrem Band-Namen ein wenig beschrieben: Chamberpop, eine Stimme, eine Kapelle; ein Popentwurf irgendwo zwischen „Element Of Crime“, Hamburger Schule und Max Raabe. Florian Paul singt mit leidenschaftlicher Beiläufigkeit poetische Geschichten, die er als Regisseur seines Musikfilms nun auch visuell erzählt. Die Single „Heile Welt“ ist eine getragene Piano-Ballade, eine skeptisch leise Aussicht auf Besseres: „Mach das Licht aus, schau die Welt geht endlich unter, doch wir haben uns eine neue ausgedacht.“ - mich persönlich berühren Lied wie Musikvideo sehr, weil ich in der Melancholie der Skepsis eine Denkfigur der Hoffnung spüre, die in diesen Zeiten gesund sein dürfte.

Links zu "Florian Paul und die Kapelle der letzten Hoffnung"

< Website >

< Musikvideo "heile Welt" / Trailer "auf Sand gebaut" >

PS - nun ist mir endlich eingefallen, an welche Band mich diese Musik noch erinnert, auch wenn das mit dem "die klingen ja wie ..." immer auch ein wenig blöd ist: The Nits - insbesondere an deren Platte "Adieu, sweet Bahnhof"

 


/// Songs zum Sonntag /// 240422

/// Aus technischen Gründen erst am Montag Blau-Cover/// Soeben erschienen: Eine neue Single von Julian Adler, der uns an anderer Stelle schon mal beschäftigt hat. Der neue Song heißt „Blau“, eine klassische Farbe in der Popmusik, und Adlers Blau nun ist an sich trockener Funk, der hier so einheitlich kompakt produziert wurde, dass ein wenig die Amplituden und Ecken und Kanten fehlen. Aber gesanglich kann man erneut nicht meckern: Julia Adler singt sich durch die Sehnsucht nach Meer und Freiheit durch eine Bandbreite an Stimmregistern, das macht schon irre Spass. Die letzte Single war mir etwas zu kitschig, „Blau“ ist mir etwas zu smooth geraten, aber Kitsch und zu smoother Funk: Auch an Nörgeleien kann man merken, dass hier ein Musiker auf der Suche nach passendem Popentwurf ist und locker flockig handwerklich in der Lage, in verschiedenen Pop-Regalen danach zu schauen. Hier darf man weiter gespannt sein, wenn sich das mal zu einer EP oder einem Album zusammen findet - langweilig wird das sicherlich nicht werden. Der Popticker bleibt am Ball. /// CoverDie Fragen, ob es überhaupt noch indie gibt, ob das Indie-Siegel zu einer künstlerischen Umschreibung geworden ist, und seinen ökonomischen Charakter aufgegeben hat, oder ob dieser Begriff in Zeiten der Streamings als Gatekeeper zum Mainstream, sich gerade wieder ökonomisch aufgeladen hat, diese Fragen, kann man 2022 immer wieder diskutieren. Zweifelsohne gibt es jedenfalls, wenn man zwischen Nische und Mainstream unterscheiden will, ganz gleich, ob man es nun also indie nennt oder nicht, eine Sehnsucht auf beiden Seiten in Richtung des Anderen. Womit wir, lange Rede, nicht ganz so kurzer Sinn, bei FISCHER wären - ein neues Bandprojekt des nominellen Schlagzeugers Sven Fischer, der nun also auch singt. Die erste Single heißt „für immer“ und ist wahlweise Deutschpop der sich nach Hardrock oder aber Hardrock, der sich nach Deutschpop sehnt: Seicht, folkig, flächig, melodiöse kommen zwei Strophen daher, bevor der Song dann in rockige Tiefen taucht, depressiv und aggressiv nahezu, obgleich es um den Tod geht, kommt das schon überraschend. Ich muss zugeben, dass diese Musik nicht so meine Wiese ist, aber was dieses Lied sein will, ist zu 100% auch authentisch erreicht und irre gut gemacht. Auch hier werde ich verfolgen, was von dieser Band noch kommt. ///

Links:

< Blau >

< für immer >


Schaltstellen zwischen Traum und Realität

Bildschirmfoto 2022-03-20 um 09.49.48/// Songs zum Sonntag 200322 /// Arcade Fire, diese wunderbaren Musiker:innen, sind eigentlich gar nicht sonderlich originell im Songwriting, im musikalischem Sinne - großartige Texte haben sie. Aber sie sind nicht dafür bekannt geworden, Riffs und Melodien zu finden, die man noch nie gehört hat. Ihre Stärken liegen seit je her in den Schaltstellen, in den plötzlichen Umschwüngen, in Dramaturgien. Gerade bei ihren letzten beiden Alben „Reflektor“ und „Everything now, auf denen sie sich in Disco-Richtungen tummelten, hörte man euphorische Shifts, in denen man beim Tanzen seine Arme wegschleudert, in gehörte Räumlichkeiten hinein, wodurch man sich allein beim Hören (man muss dazu nicht einmal tanzen, aber es hilft) irgendwo anders hinfühlen kann. Was soll Pop mehr erreichen? Da nimmt es jedenfalls nicht wunder, dass die neue Single des kommenden Albums aus zwei Liedern besteht: Während „The Lightning I“ mit seicht verstimmten Klavier Bildschirmfoto 2022-03-20 um 09.49.23und den beiden Stimmen von Régine Chassagne und Win Butler an den Space-Folk ihres ersten Albums „Funeral“ erinnert, ist „The Lightning II“ dann eine the-who-artige Rock-Nummer, der man anhört, dass Arcade Fire zuletzt auf Tanzflächen schielten - und wer schielt denn nicht auf Tanzflächen. Das Geheimnis liegt in der Schaltstelle zwischen den Songs, < das Video > hier beinhaltet beide. Große Vorfreude also auf das Album „WE“, das im Mai erscheint. /// Im Juni dann kommt auch eine neue Platte von „M“, der in Frankreich nach wie vor eine der größten Nummern ist. Sein Chanson-Funk mit Rock-Gitarre ist aber auch unwiderstehlich - jetzt eben wieder: Titelsong seines nächsten Albums „Rêvalité“ ist soeben erschienen. Hier bringt er das Kunststück fertig, unter erwähnten Funkrock noch kitschige Streichersätze zu mischen. Das kann so auch nur er. Und seine Schwester übrigens. „Rêvalité“ ist eine Wortschöpfung aus den französischen Begriffen für Traum und Realität, und so braust das Lied fort: < VROMMM! > ///


Pop in den Startblöcken meets Songs zum Sonntag

Bildschirmfoto 2022-02-13 um 12.06.38/// Der Song, der wie ein Bond-Song klingt, ist ja im Grunde eine Genre für sich, da der Bond-Song als solcher ja nur James-Bond-Songs vorenthalten ist. Die neue Single der Sängerin, Songschreiberin und Produzentin Carla Lina, „higher“, ist nicht ganz, ein Song, der wie ein Bond-Song klingt, der aber wie ein Bond-Song beginnt: Klavier-Akkorde, tiefe Stimme, Harmonie-Anlage - aber dann hebt das Ganze ab und flaniert in einen Eurodance-Snythiepop-Hit, öffnet sich und fliegt weg. Das ist versiert gemacht: Als Produzentin kennt Carla Lina die effektive Dramaturgie der Pop-Euphorie und als Sängerin setzt sie diese auch um - mit tiefem Soul-Timbre, das sie ansatzlos auch in Höhen schrauben kann. Lina versteht ihr Handwerk. Das Songwriting ist vielleicht noch nicht der Weisheit letzter Schluss, „you make feel higher“ ist eine Hook-Line aus dem Werkzeugkasten der Popgeschichte, aber Carla Lina sucht nach einem originären Popentwurf, und Suchen bringt mit sich, dass nicht jedes Element der Weisheit letzter Schluss ist. Bildschirmfoto 2022-02-13 um 12.08.40/// Mit Referenzen ist das ja so eine Sache - manches Mal können Sätze wie „diese Band klingt wie…“ an ebendiesen Bands kleben bleiben, und daher sollte man nicht leichtfertig irgendwas in der Richtung in den Raum werfen. Die Promotion für die Band „Jacob Fortyhands“ nennt als Referenzbands „The 1975“ und „Coldplay“, und das muss man nicht eigentlich fast nicht nennen, weil es schon sehr stimmt: Die wie Carla Simons oben erwähntes Lied ebenfalls vorgestern, am 11.02. erschienene, neue Single der Band, „feels like forever“, hat den Breiwand-Gestus einer Coldplay-Single, der entsteht, wenn eine nominelle Rockband Pop spielt: Keyboard und Gitarre legen ein Bett, auf dem es sich der Sänger Lukas Heitmann mit schönster Melodie bequem macht, untendrunter tummelt sich ein angenehmer Uptempo-Beat, und für Bridge und Refrain macht sich der Himmel auf. Diese Band ist nahezu erschreckend versiert in dem was sie tut, und als dritten Referenzpunkt würde ich der Promotion noch „Vampire Weekend“ hinterher rufen - der Drummer versteckt Afrobeat-Anleihen ähnlich geschickt wie die artpoppigen Wochenend-Vampire. „Jacob Fortyhands“ ist eine echte Entdeckung. /// Links: der YouTube-Kanal von Carla Lina und Die Website von Jacob Fortyhands ///


/// Songs zum Sonntag /// 060222 ///

Bildschirmfoto 2022-02-06 um 12.44.57/// Blubbernde Percussion, französische Strophe, englischer Refrain, geschichtete Chöre und lakonischer Gesang - in zwei Minuten und 20 Sekunden skizziert die in Montreal lebende Dominique Fils-Aimé mit ihrem neuen Song „go get it“ einen weltpoppigen Chanson mit entspannter Virtuosität. Diese Musik gibt nichts vor sondern ist nur das, was sie sie ist - wunderschön. Bildschirmfoto 2022-02-06 um 12.45.11/// Auch Fishbachs Musik könnte man noch Chanson nennen, aber es steckt mehr Pop-Inszenierung und vor allem 80er-Synthie-Wave drin. Ihr neuer Song „Masque D’Or“ , schon der dritte eines mutmasslich zweiten Albums, klingt, als wären Human League ins Paris von heute gezogen. Oder wie die frühen Spandau Ballet. In der Summe ist das sehr selbstverständlich und gleichzeitig ziemlich merkwürdig.
/// Der zerfallende Song „intouchable et immortel“ von Fanny Bloom, ebenfalls aus Montréal, kommt in seinen seichten Piano-Tupfern zunächst weniger seltsam daher, schwingt sich aber mit orchestraler Untermalung und jazzigen Trompetensolo auch in andere Sphären Bildschirmfoto 2022-02-06 um 12.45.27als Pop oder Chanson alleine. Das Album, von dem der Song stammt, „Rêve encore“, ist ebenso vielseitig und bringt Elektropop mit Jazz, Chanson, Indierock und Synthiepop in Einklang. /// Alle drei genannten Sänger:innen sind auf Bandcamp präsent, eine Streaming- aber vor allem Shop-Plattform für 
Indie-Künstler:innen  - sehr empfehlenswert, sich dort mal ein wenig umzusehen. Hier die drei Links für heute: /// < Dominique Fils-Aimé > /// < Fishbach > /// < Fanny Bloom > ///


/// Songs zum Sonntag /// 051221 ///

Rost/// Nicola Rost ist eine der besten Songwriter:innen, die wir haben. Ihre deutschen Chansons sind urbane Kunstlieder, die sich mit Synthies und Dancebeats zu Pop mausern - mit ihrer Band „Laing“. Nun hat sie aber ihre erste Solo-Single ohne Laing veröffentlicht - „Ministerium für Einsamkeit“ ist weniger elektronisch als Laing, klingt kurioser Weise mehr nach Band als Songs vom Rosts Band, aber summa summarum könnte das vom Text, und vom Sound her auch „Laing“ sein. Im gewissen Sinne funktionieren Rosts Ministeriums-Allegorien auch ohne Pandemie, aber dennoch ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass das Lied auch von Corona handelt. Das empfindet man sicherlich nicht nur dann so, wenn man wie ich vom Ministerium für Einsamkeit zum ersten Mal in Isolation hört: „Es gibt ein Ministerium für Einsamkeit, und alle fragen wofür - im Ministerium für Einsamkeit, die halbe Stadt steht schon schon an der Hintertür. Bitte berühr mich! Bitte berühr mich! Wave Aber fass mich nicht an!“. Ach, wie soll man Quarantäne ohne Nicola Rost aushalten? Muss ich jetzt ja nicht mehr. /// Die Band „The Wave Pictures“ besteht aus drei Songaholics, das Trio hält kaum ein Jahr aus, ohne mindestens zwei Alben zu veröffentlichen. Und fast alle sind toll. Mal mehr Bluesrock, dann kommt Garagenschrammel und ein Parforceritt durch die Rockriffgeschichte, dann wird es wieder folkiger. Nun haben sie ein Doppelalbum aufgenommen, das 2022 erscheinen soll, 'When The Purple Emperor Spreads His Wings’ heißen wird, und dass sich auf vier Vinyl-Seiten den vier Jahreszeiten widmen soll. Die erste Herbst-Single „this heart of mine“ ist ein urig-einfacher Folksong mit Bluesharp, schlichtem Riff und einfacher Melodie - sich auf so viel berufen und dann noch so eigen klingen, das muss man erst einmal hinbekommen - wundervoll. ///

Video-Links:

/// < Ministerium für Einsamkeit > /// < this heart of mine > ///


Songs zum Sonntag /// 281121 /// heute: Chanson aus Kanada

Lys/// Der französische Chanson treibt gerade auch in Kanada wundervolle Blüten - Lou-Adriane Cassidy (siehe einen Post weiter unten) ist da nicht die Einzige. Die Songschreiberin und Sängerin Lysandre hat einen subtilen Loungepop für sich erfunden, der mit überraschenden Melodien und kompaktem Band-Sound zum Rotwein-Trinken äusserst geeignet erscheint. Als Signature-Song ihrer bisherigen Veröffentlichungen, ein Album soll im Frühjahr 2022 kommen, könnte man den Song „le paon impossible“ bezeichnen: Dotzender ArinaeShuffle-Beat mit fluffigem Snaresound, beiläufig schnippischer Gesang und funky Bassorgel vermengen sich zu einem gut gelaunten Chansonschaum - herrlich. /// Ariane Roy mag vergleichbar beiläufig französisch singen - ihr Popentwurf ist ei anderer. Synthiepop ohne Drumcomputer, Indie könnte man auch sagen. Ihr auch gerade erst erschienener Song „Quand je serai grande“ klingt, als habe sie im letzten Moment entschieden, den Song schneller zu spielen, als sie ihn Fannyeigentlich komponiert hatte. Dadurch entsteht ein kompakter, wohliger, tanzbarer Groove mit nerdigen Synthie-Klängen und schöner Melodie. Wundervoll. /// Und noch einmal Chanson aus Kanada: Fanny Bloom kann auch herrlichen Buublegumpop, aber ihr neuester Song „Revivre“ ist eine zerbrechliche Pianoballade, die fast aus den Lautsprecher verschwinden könnte, ohne gehört zu werden - ein Klavierbett aus einfachen Arpeggi, schleichender Gesang und urplötzliche Holzbläser-Einwürfe - eine Lockdown-Aufnahme mit einer der längsten Generalpausen, die ich je in einem Popsong gehört habe. /// Alle drei Sängerinnen sind auf der ohnehin sehr lohnenswerten Plattform "Bandcamp" vertreten. Hier die Links ihrer Profile dort, wo man auch die jeweils erwähnten Songs findet: < Lysandre > /// < Ariane Roy > /// < Fanny Bloom > /// auf Bandcamp könnt ihr auch mir folgen: < Hier > ///


Songs zum Sonntag /// 141121 ///

Bildschirmfoto 2021-11-14 um 16.17.39/// Den Preis für den besten Reim in einem Popsong bekommt dieses Jahr vermutlich Antje Schomaker für: „Kann doch nicht sein, dass man nur relevant ist / Wenn man Rapper oder 'n alter weißer Mann wie James Blunt ist.“ Es ist dies eine Zeile in dem wunderbaren Rant in Songform über Pop im Allgemeinen, das Musikbusiness im Speziellen, den Anforderungen, die an eine Sängerin gestellt werden, im noch Spezielleren, und was man eben angeblich alles tun muss, um Indiepop zu machen - nämlich gar nichts. „Ich muss gar nichts“ ist jedenfalls Refrain und Titel des Songs, während die Strophen eben unter anderm aufzählen, was man angeblich doch muss. Vorgetragen ist das Ganze in fast in einem Rap auf Synthiepop, und überhaupt mag ich die Synthiepopsongs von Antje Schomaker wahnsinnig gern, und eben diesen Song noch mal im Speziellen wahnsinnig gerne und meine Tochter im noch Spezielleren noch wahnsinniger gerner. Wenn er nicht in der Bildschirmfoto 2021-11-14 um 16.17.25Küche läuft, schallt er aus dem Kinderzimmer, aber naja, er hat meiner Tochter auch eine Antwort auf Aufforderungen geliefert, wenn sie zum Beispiel aufräumen soll. Zumindest, wenn ich diese Aufforderung mit Müssen verknüpfe. Ich: Du musst noch aufräumen. Sie: Ich muss gar nichts. Aber das Ganze ist es mir wert. Der Song ist super. /// Das australische Produzentenduo „flight facilities“ hat sich für sein aktuelles Album einige Sänger:innen eingeladen - darunter „your Smith“, wie sich Carolin Smith nennt, ach, und wenn die schon mal singt, hat man eh schon einiges richtig gemacht. Der Lofi-Disco-Track „heavy“ floatet entspannt durch ein klassisches Akkordschema mit fluffigem Beat und spätem Synthie-Bass, findet seichte Steigerung, und ist eines dieser Lieder, das nicht viel Aufhebens um sich selber macht, nach seinen 3:22 Minuten aber habe zumindest ich immer bessere Laune als vorher, und wie gesagt: „your Smith“ kann von mir aus das Telefonbuch singen. /// Links: Audio YouTube < ich muss gar nichts > Video < heavy >