Songs zum Sonntag

/// Songs zum Sonntag /// 051221 ///

Rost/// Nicola Rost ist eine der besten Songwriter:innen, die wir haben. Ihre deutschen Chansons sind urbane Kunstlieder, die sich mit Synthies und Dancebeats zu Pop mausern - mit ihrer Band „Laing“. Nun hat sie aber ihre erste Solo-Single ohne Laing veröffentlicht - „Ministerium für Einsamkeit“ ist weniger elektronisch als Laing, klingt kurioser Weise mehr nach Band als Songs vom Rosts Band, aber summa summarum könnte das vom Text, und vom Sound her auch „Laing“ sein. Im gewissen Sinne funktionieren Rosts Ministeriums-Allegorien auch ohne Pandemie, aber dennoch ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass das Lied auch von Corona handelt. Das empfindet man sicherlich nicht nur dann so, wenn man wie ich vom Ministerium für Einsamkeit zum ersten Mal in Isolation hört: „Es gibt ein Ministerium für Einsamkeit, und alle fragen wofür - im Ministerium für Einsamkeit, die halbe Stadt steht schon schon an der Hintertür. Bitte berühr mich! Bitte berühr mich! Wave Aber fass mich nicht an!“. Ach, wie soll man Quarantäne ohne Nicola Rost aushalten? Muss ich jetzt ja nicht mehr. /// Die Band „The Wave Pictures“ besteht aus drei Songaholics, das Trio hält kaum ein Jahr aus, ohne mindestens zwei Alben zu veröffentlichen. Und fast alle sind toll. Mal mehr Bluesrock, dann kommt Garagenschrammel und ein Parforceritt durch die Rockriffgeschichte, dann wird es wieder folkiger. Nun haben sie ein Doppelalbum aufgenommen, das 2022 erscheinen soll, 'When The Purple Emperor Spreads His Wings’ heißen wird, und dass sich auf vier Vinyl-Seiten den vier Jahreszeiten widmen soll. Die erste Herbst-Single „this heart of mine“ ist ein urig-einfacher Folksong mit Bluesharp, schlichtem Riff und einfacher Melodie - sich auf so viel berufen und dann noch so eigen klingen, das muss man erst einmal hinbekommen - wundervoll. ///

Video-Links:

/// < Ministerium für Einsamkeit > /// < this heart of mine > ///


Songs zum Sonntag /// 281121 /// heute: Chanson aus Kanada

Lys/// Der französische Chanson treibt gerade auch in Kanada wundervolle Blüten - Lou-Adriane Cassidy (siehe einen Post weiter unten) ist da nicht die Einzige. Die Songschreiberin und Sängerin Lysandre hat einen subtilen Loungepop für sich erfunden, der mit überraschenden Melodien und kompaktem Band-Sound zum Rotwein-Trinken äusserst geeignet erscheint. Als Signature-Song ihrer bisherigen Veröffentlichungen, ein Album soll im Frühjahr 2022 kommen, könnte man den Song „le paon impossible“ bezeichnen: Dotzender ArinaeShuffle-Beat mit fluffigem Snaresound, beiläufig schnippischer Gesang und funky Bassorgel vermengen sich zu einem gut gelaunten Chansonschaum - herrlich. /// Ariane Roy mag vergleichbar beiläufig französisch singen - ihr Popentwurf ist ei anderer. Synthiepop ohne Drumcomputer, Indie könnte man auch sagen. Ihr auch gerade erst erschienener Song „Quand je serai grande“ klingt, als habe sie im letzten Moment entschieden, den Song schneller zu spielen, als sie ihn Fannyeigentlich komponiert hatte. Dadurch entsteht ein kompakter, wohliger, tanzbarer Groove mit nerdigen Synthie-Klängen und schöner Melodie. Wundervoll. /// Und noch einmal Chanson aus Kanada: Fanny Bloom kann auch herrlichen Buublegumpop, aber ihr neuester Song „Revivre“ ist eine zerbrechliche Pianoballade, die fast aus den Lautsprecher verschwinden könnte, ohne gehört zu werden - ein Klavierbett aus einfachen Arpeggi, schleichender Gesang und urplötzliche Holzbläser-Einwürfe - eine Lockdown-Aufnahme mit einer der längsten Generalpausen, die ich je in einem Popsong gehört habe. /// Alle drei Sängerinnen sind auf der ohnehin sehr lohnenswerten Plattform "Bandcamp" vertreten. Hier die Links ihrer Profile dort, wo man auch die jeweils erwähnten Songs findet: < Lysandre > /// < Ariane Roy > /// < Fanny Bloom > /// auf Bandcamp könnt ihr auch mir folgen: < Hier > ///


Songs zum Sonntag /// 141121 ///

Bildschirmfoto 2021-11-14 um 16.17.39/// Den Preis für den besten Reim in einem Popsong bekommt dieses Jahr vermutlich Antje Schomaker für: „Kann doch nicht sein, dass man nur relevant ist / Wenn man Rapper oder 'n alter weißer Mann wie James Blunt ist.“ Es ist dies eine Zeile in dem wunderbaren Rant in Songform über Pop im Allgemeinen, das Musikbusiness im Speziellen, den Anforderungen, die an eine Sängerin gestellt werden, im noch Spezielleren, und was man eben angeblich alles tun muss, um Indiepop zu machen - nämlich gar nichts. „Ich muss gar nichts“ ist jedenfalls Refrain und Titel des Songs, während die Strophen eben unter anderm aufzählen, was man angeblich doch muss. Vorgetragen ist das Ganze in fast in einem Rap auf Synthiepop, und überhaupt mag ich die Synthiepopsongs von Antje Schomaker wahnsinnig gern, und eben diesen Song noch mal im Speziellen wahnsinnig gerne und meine Tochter im noch Spezielleren noch wahnsinniger gerner. Wenn er nicht in der Bildschirmfoto 2021-11-14 um 16.17.25Küche läuft, schallt er aus dem Kinderzimmer, aber naja, er hat meiner Tochter auch eine Antwort auf Aufforderungen geliefert, wenn sie zum Beispiel aufräumen soll. Zumindest, wenn ich diese Aufforderung mit Müssen verknüpfe. Ich: Du musst noch aufräumen. Sie: Ich muss gar nichts. Aber das Ganze ist es mir wert. Der Song ist super. /// Das australische Produzentenduo „flight facilities“ hat sich für sein aktuelles Album einige Sänger:innen eingeladen - darunter „your Smith“, wie sich Carolin Smith nennt, ach, und wenn die schon mal singt, hat man eh schon einiges richtig gemacht. Der Lofi-Disco-Track „heavy“ floatet entspannt durch ein klassisches Akkordschema mit fluffigem Beat und spätem Synthie-Bass, findet seichte Steigerung, und ist eines dieser Lieder, das nicht viel Aufhebens um sich selber macht, nach seinen 3:22 Minuten aber habe zumindest ich immer bessere Laune als vorher, und wie gesagt: „your Smith“ kann von mir aus das Telefonbuch singen. /// Links: Audio YouTube < ich muss gar nichts > Video < heavy >


Songs zum Sonntag 09052021

/// Die überaus großartige Songschreiberin, Sängerin, Gitarristin und Banjospielerin Laura Veirs sucht ein wenig eine neue Position im Pop-Gefüge. Seit ein paar Wochen zum PantherBeispiel ist sie jetzt auch auf der Plattform Patreon aktiv, auf der Fans Künstler:innen mit monatlichen Beiträgen unterstützen können, wofür sie direkten Kontakt, priorisierten Zugang zur Kunst oder Musik und Einblicke in die Arbeitsweisen bekommen. Amanda Palmer hat diese Plattform so euphorisch und virtuos für sich entdeckt, dass sie von den dortigen Unterstützungen quasi leben kann. Laura Veirs vielleicht noch nicht, aber ihr neuer Song atmet ein wenig den Geist der Plattform. Er heißt „The Panther“ und ist klassischer Veirs-Folk, Zupfgitarre, schnörkelloser Gesang und immer mit lachendem Auge im melancholischer Grundstimmung. Wenn man ihn auf Bandcamp kauft, bekommt ihn einmal voll arrangiert und produziert und einmal in einer abgespeckten Ukulele-Version. In beiden Fassungen entfaltet der Song eine Hirosorgsame Unruhe. Und ich weiß noch nicht einmal, wovon er handelt. Vermutlich von einem Panther. /// Claire Laffut hat einen höchst unterhaltsamen Weg gefunden, den wunderbaren Kitsch des Chanson zu unterlaufen und gleichzeitig für ihren Popentwurf zu nutzen, indem sie Lounge-Beats und Understatement unterhebt. Daraus entstanden bislang einige wundervoll französische Pop-Perlen. Nun hat sie die erste Single ihres ersten, bald erscheinenden Albums „bleu“ veröffentlicht, und diese ist eine musikalische Paraphrase des Filmes „Hiroshima Mon Amour“, welcher die Geschichte einer Affäre erzählt - in der Kulisse der Stadt, die man vor allem als Ort eines Atombombenabwurfs im Kopf hat. Man versteht, wenn man nicht sooo gut Französisch spricht, nicht alle diese Schichten unter einem Song, der eben auch "Hiroshima" heißt, aber vielleicht muss man das auch nicht. Der Track funktioniert auch so gut: Schluffige Beats, sphärische Refrain-Chöre und tremoloefreier relaxter Gesang - man möchte direkt einen Rosé aufmachen. ///


Songs zum Sonntag

/// Sonntag 110421 Bildschirmfoto 2021-04-11 um 12.44.46/// Wie die Zeit in Rosen kommen kann, ist natürlich eine Fragestellung, die, wenn ein Song sie hervorruft, nur durch sich selber beantwortet werden kann: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Und in Rosen kommt die Zeit. Es ist dies stete Verschneidung von realistischen Zustandsbeschreibungen und poetischen Sinnbildern, welche das Songwriting der Brightoner Musikerin Bess Atwell so schön machen. Hinzu kommt ihre Stimme, die wie Zeit in Rosen umhüllt, mehr braucht man nicht zum Schmelzen. Ich jedenfalls nicht. „Time comes in roses“ ist ihr zweiter Song bei ihrem neuen Label, und ich liebe ihn. Bildschirmfoto 2021-04-11 um 12.44.30<hier> ist er in einer besonders schönen Live-Version. /// Vielleicht hat der ein oder andere noch „I don’t want a lover“ im Ohr, jener bluesige Popsong aus dem letzten Jahr der 80er, dessen Titelzeile immer mit einem Bottleneck-Gitarren-Lick beantwortet wurde. Die britische Band „Texas“ hat ihren Mainstream-tauglichen Folkpop stetig weiter gepflegt, und manchmal wird derartige Beharrlichkeit belohnt: Ihr bald erscheinendes, neuntes Studio-Album wird breit promotet. Der erste Song draus, „Mr Haze“, ist klassische Texas-Machart: eingängiger Refrain, schnörkelloser Gesang, Folkrock mit zuckrigen Popstreuseln - fertig ist die Laube. Ist nichts Weltbewegendes - aber funktioniert noch immer. ///


Songs zum Sonntag /// 14022021 ///

Noangels/// Single und Alben-Jubiläen erinnern Dich gnadenlos daran, wie alt Du bist - nun denkt man schon wieder: Was? 20 Jahre alt schon? Nicht ich - sondern „Daylight in your eyes“, die Debutsingle der „No Angels“ . Die Sänger:innen, die nun schon seit 12 Jahren keine keine Engel mehr sind, sind jetzt zumindest kurzzeitig mal wieder keine Engel - oder auch Ex-Ex-No-Angels.Vanessa Petruo, die einzige übrigens, die als Solo-Künstlerin ein perfekte Pop-Single („drama queen“) und ein respektabel-souliges Album veröffentlicht hat, („Mama Lilla Would“), ist nicht mehr dabei, sie arbeitet heute als Neurowissenschaftlerin, wie ich gelesen habe, aber die vier verbliebenen haben nun eine „celebration version“ von „Daylight In Your Eyes“ aufgenommen - die klingt ein wenig heutiger als das Original, aber ach, nee, eigentlich klingt die so wie früher. Braucht kein Mensch, aber was ist schon brauchen im Pop? Ich find es toll, denn über nichts lässt sich so schön im Popticker nachdenken Wellermanwie über den gewesenen Zustand der No Angels, der nun eben aufgehoben wurde. Ach. /// Der Signature-Song von den No Angels ist auf Platz drei der deutschen iTunes-Charts, auf Platz 01 wiederum ist ein schottischer Postbote, der es via TikTok zu einem millionenschweren Plattenvertrag gebracht - Nathan Evans: Seine rein geklopfte und und gesungene Version des Shantys „Wellerman“ ging erst auf TikTok, dann in allen anderen sozialen Plattformen viral, und das ist wirklich eine schöne Sache - ich liebe dieses Lied. (eine etwas überflüssige Version desselben Songs ist dann gleich auch noch auf Platz 07, ein Eurodance-Remix, braucht kein Mensch und ist in dem Fall auch Quatsch mit Eurososse.) ///


/ Songs zum Sonntag // 240121 ///

Billierosalia/// Billie Eilish und Rosalía, diese beiden Jahrhundert-Talente des Pop, haben zusammen einen Song aufgenommen. „Lo Vas A Olividar“ ist eher eine Seance über zwei, drei spanische Melodie- und Text-Linien, eine Reduktion, ein Ausmailbild ohne Farben oder vielmehr ein Ausmalbild ohne Linien; jedenfalls kaum Instrumente, die musikalisch bündeln, ein BirdyAusdruck vollkommener künstlerischer Freiheit, wie es ihn im Pop insbesondere in Zeiten des Streamings kaum mehr gibt. Und somit ein Schimmer der Hoffnung und Schönheit. /// So empfinde ich auch die neue Single Birdy - unaufgeregt unkitschiger Pianofolk (auch wenn sie auf dem Cover mit Gitarre zu sehen ist): „Surrender“ Delreyklingt nach heimeligen Kamin und unaufgeregtem Rotwein, der Soundtrack zur Illusion des freiwilligen Zuhausebleibens. /// In der Reduktion zwischen klassischer Folk-Band bei Birdy und den Farbtupfern zweier hinreissender Stimmen von Rosalía und Billie Eilish zu verorten ist der Titelsong des kommenden Albums von Lana Del Rey „Chemtrails Over The Countryclub“: In klassischer Del-Rey-Manier verhallen hier pastellene Piano-Tupfer und Besen-Sticks am Schlagzeug in eine immer ungreifbarere Sehnsucht nach einem Amerika, das nicht mal mehr am Retrohimmel leuchtet. Unfassbar gut; aber auch leicht deprimierend. ///


Songs zum Sonntag /// 25102020 ///

Bildschirmfoto 2020-10-25 um 17.43.01/// Die Songschreiberin und Sängerin Wilhelmine ist vielleicht ein Beispiel, dass die Musik-Industrie wieder angefangen hat, Musiker*innen unter Vertrag zu nehmen und ihnen Zeit gibt, ihren Popentwurf zu suchen, zu finden und zu kultivieren. Wilhelmine hat bislang eine EP veröffentlicht (die wirklich wundervoll ist - mehr dazu < hier >), und ihr neuer Song „Drip“ ist im Lockdown entstanden und als Single offenbar nicht an ein Album gekoppelt - die Veröffentlichung ist also möglicherweise als Schritt in besagter Suche nach künstlerischer Identität zu sehen. In jedem Fall kommt das Neue Lied recht fröhlich daher und bewegt den Wilhelmischen Popkosmos ein wenig weg von der nachdenklichen Ballade, vom zweifelnden Uptemposong hin zum etwas unbeschwerteren, leichteren Pop, ohne dass der Ernst völlig hinten runter fällt. Bildschirmfoto 2020-10-25 um 17.42.46Der Song handelt vom steten Versuch fröhlicher Fassaden, hinter denen die Traurigkeit lauert, und dies im subjektiven wie gesellschaftlichen Sinne, wenn man so will, und beschreibt, wenn man dies auch so will, ein wenig die Wirkungsweise von Pop als solchem. Der Song ist melodisch sicher nicht die Offenbarung - aber in seiner einfachen Struktur und seinem fluffigem Arrangement schlicht und einfach schöne Popmusik. /// Als wäre nichts gewesen hat Melanie C ein Album heraus gebracht, und eigentlich ist das ja auch der Gestus von Pop im Allgemeinen: Als wäre nichts gewesen; oder vielmehr: Als wäre nichts. Aber natürlich ist immer was. Aber eben: Egal was ist, irgendwo ist immer auch Pop, als wäre das, was jeweils ist, nicht. Und mit diesem Gestus ist Pop auch immer bewahrend, konservativ. Weil Pop immer auch das, was ist, nicht kritisiert. Es ist der stete Escape-Plan aus dem, was wir sonst wahrnehmen müssen. Melanie C hat ein Album voller perfekter Popperlen heraus gebracht, und in dem Opener „Who I am“ stellt sie also die stete Popfrage, wer sie eben sei. Dazu stampft die Kickdrum auf den armschleudernden Einsatz der Snare im Refrain zu, bei dem auch die Melodie eine Quart nach oben schraubt. Herrlicher Blubberpop. So lange Ex-Spice-Girls Pop machen, als sei nichts und nicht gewesen, sind Poplieder stete Spesen. Bildschirmfoto 2020-10-25 um 17.41.57/// Und im Pop muss man ja auch nichts begründen. Zum Beispiel hat Francesko Wilking (Mitglieder der Bands Tele und Höchste Eisenbahn sowie Kurator der sehr schönen Kinderlied-Compilations „unter meinem Bett), der hat nun ein neues Projekt: Die „Crucchi Gang“ covert Hits deutschsprachigen Indiepops auf Italienisch. Warum? Darauf hat keiner eine Antwort, aber da es sich um Popmusik handelt, ist es eigentlich auch egal. Den Song, den Wiliking selber singt, ist quasi der Signature-Track dieses herrlichen Blödsinns: "Bungalow" von Bilderbuch heißt jetzt also "Il mio Bungalow" und kommt als Lofi-Pop-Chamberpop mit Streichern und viel italienischem Amore im Sinne Wandas daher. Warum nur? Na eben wie gesagt: Im Pop kann eine Frage, die sich nicht beantworten lässt, sehr schön sein. ///


/// Songs zum Sonntag /// 160820 ///

Bildschirmfoto 2020-08-16 um 08.48.52/// Miley Cyrus hat eine neue Single veröffentlicht - schnieker, uptempo-Diskopop, den sie singt wie Country, wie sie ohnehin alles ein wenig auf Conutry singt, und in dessen Video sie sich in ca 25 Outfits als knallbunte Dancing-Queen inszeniert: Sehr viele Farben und hin und wieder auch sehr wenig Kleidung. Ihr vermehrte Nacktheit scheint für Cyrus eigentlich eine Schutzhülle zu sein. Leider ist es irgendwie auch die Musik: Ihr Talent, Pop zu singen und zu repräsentieren, bleibt auch mit „Midnight Sky“ im Zustand eines Versprechens. Bildschirmfoto 2020-08-16 um 14.01.46/// Antje Schomaker, bislang vor allem durch Akustikpop mit gewitzten deutschen Texten aufgefallen, hat eine Kehrtwende vollzogen: Ihre neue Single „Verschwendete Zeit“ klingt nach retro-80er-Synthiepop, sogar die gute alte 808-Cowbell ist mit am Start, das Cover sieht aus wie ein 80er-Filmplakat „(Cocktail“ zum Beispiel), und das Video hat den retro 80er-Style einer Netflixserie mit BMX-Rad, mit dem aber dann doch nicht geflogen wird, und wenn Schomaker nicht deutsch singen würde, dächte man vielleicht einen Moment, hier singt „La Roux“ - wenn das die Referenz ist, könnte man den Wavesound von Schomaker fast schon Retro in zweiter Ableitung attestieren, aber unabhängig davon funktioniert der Schomakersche Synthiepop vortrefflich: Bildschirmfoto 2020-08-16 um 14.01.28Der Song hat Ohrwurmcharakter, macht sofort Lust auf Mehr, und textlich ist Schomaker schon immer toll gewesen, aber wie sie hier die eine Trennung skizziert und dabei niemals Parallelen oder Symbole sucht und sie gerade deswegen findet - das ist schon sehr tolles Songwriting. Wenn Deutschpop mehr versucht, kann er so toll sein. /// Nena hat schon zwei Lieder ihrer im Oktober erscheinenden Platte veröffentlicht. „Wandern“ ist einer davon, und es ist eine entschlackte Gitarren-Ballade über das Wandern als Allegorie einer Gemeinsamkeit. Es ist ein fast zerfallender, kleiner, schöner Song einer Sängerin, die nichts mehr irgendwo beweisen muss - mir gefällt das Lied, man kann schon wirklich gespannt sein, was für ein da Album kommt. ///


/// Songs zum Sonntag /// 08022020 ///

Sof/// Musik kann an Umbrüchen schön sein. Wenn sie sich an der Schaltstelle vom Indie zum Mainstream befindet zum Beispiel, oder, man denke an Taylor Swift und ihr Album „red“ (2012), an der Klippe vom Country zum Bubble-Pop. So sehr scheint bei der Songschreibering, Mandolininstin und Sängerin Sierra Hull die Wende zum Pop nicht zu sein, und wenn dann noch ohne Bubble, aber Bluegrass ist das jetzt auch nicht mehr ganz, und da kommt sie her. „Beautiful Out Of Places“, der erste Song nun von ihrem noch diesen Monat erscheinenden Album „25 Trips“ entlehnt aus dem Bluegrass die fluffigen Mandolinen-Arpeggios, auf dem dann ein E-Gitarre ein wenig rhytmische Akkordordnung schafft. BasiaDie Melodielinien ihrer Stimme aber kommen aus der Popmusik, die asymmetrische Struktur des Liedes wirkt jazzig, und beim Fiddel-Solo scheint man wieder auf einer Veranda in Alabama zu sitzen, aber das Lied ist offen, lichtdurchflutet und atmet Welt - diese Platte könnte toll werden. /// Ähnlich zwischen den hübschen Stühlen klingt der Indiepop von Basia Bulat. Ihr kanadischer Folk hat sich inzwischen mit elektrischen Gitarren und Harmonium aufgeladen. Ihr neuer Song „Your Girl“ shuffelt dadurch hübsch nach vorne, und ihr ausgeschmückter Gesang wirkt immer ein wenig dahinter, was dem Lied eine wunderbare Nachdenklichkeit gibt - auch auf das im März kommende neue Album darf man gespannt sein. ///