Listen, Listen, Listen !!!

Songs & Alben des Jahres

Liebe Leser:innen

  • auch in diesem Jahr gibt es hier die Jahrescharts, wie immer streng subjektiv: Was mir gefallen hat. Bei den Songs habe ich auch wieder die weg gelassen, die auf meinen Alben des Jahres drauf sind, sonst wäre ja alles doppelt.
  • David aka popticker

SONGS

Banner_01

  1. Lisa LeBLanc / Pourquoi faire aujourd'hui < video >
  2. alt-j / get better < video >
  3. Cœur de Pirate / On s'aimera toujours < video >
  4. Antje Schomaker / Ich muss gar nichts < video >
  5. Greta Van Fleet / Heat Above < video >
  6. Stromae / Santé < video >
  7. Bertrand Burgalat / L’homme idéal < video >
  8. Olga Garland / Over Your Head < video >
  9. Carwyn Ellis & Rio 18 / Olá! < video >
  10. Francoiz Breut / Dérive urbaine dans la ville cannibale < video >

ALBEN

Banner_02

  1. Claire Laffut / Bleu < channel >  < huldigung >
  2. Lou-Adriane Cassidy vous dit: Bonsoir < bandcamp >  < verbeugung >
  3. Marina / Ancient Dreams In A Modern Land < page >  < lob >
  4. Lorde / Solar Power < page >
  5. Jackson Browne / Downhill From Everywhere < page > 
  6. Tania Saleh / 10 A.D < page > < begeisterung >
  7. Dagobert / Jäger < channel > < einordnung >
  8. Arlo Parks / Collapsed in Sunbeams < bandcamp >
  9. Bess Atwell / Already, Always < page >
  10. Sophia Kennedy / Monsters < label >

Infratest Voicemap 2021

Statistiken zu den Blind Auditions bei "The Voice Of Germany 2021" - (Staffel 11)

Die elfte Staffel der Castingshow „The Voice Of Germany“ ist in vollem Gange. Derzeit werden die Folgen der zweiten Runde, der so genannten Battles ausgestrahlt. Diese sind in diesem Jahr, das sei hier nur am Rande erwähnt, unter geänderten Wettbewerbs-Statuten ausgetragen worden, die der Sache stark geschadet haben: War es bislang ein Vabanque-Spiel zwischen Kooperation und Konkurrenz, das bestenfalls tatsächlich Kreativität freisetzte, weil sich zwei Sänger:innen in ein Boot setzten, hat nun die gegenseitige Missgunst das Steuer übernommen, weil die Coaches jeweils eine Teilnehmer:in von Dreien schon vor der eigentlichen Show raus werfen müssen. Das ist unfassbar blöd. Es produziert Dramaturgien des Trash-TVs. Wenn „The Voice“ so ist, ist es keinen Deut besser als DSDS-Bohlen.

Doch heute soll es um die statistische Auswertung der ersten Runde, den Blind Auditions gehen. Ich habe wieder sämtlich dort gesungenen Lieder nach Genre, Jahrzehnt der Veröffentlichung und Tempo erfasst und für diese jeweils errechnet, wie viel durchschnittlich von den Coaches gebuzzert wurde. Die Anzahl der gesamten Coaches also, die für zum Beispiel Lieder der 80er Jahre (22) gebuzzert haben, durch die Anzahl der Lieder aus diesem Jahrzehnt (13) ergibt den Buzzerschnitt für Songs der 80er (Ø = 1,69). Die sich daraus ergebenen Statistiken sind natürlich wunderschön. Man könnte zum Beispiel daraus ableiten, dass bei The Voice die besten Chancen hat, weiter zu kommen, wenn sie / er ultraschnelle Songs der 60er Jahre im Jazzsound singt. Dass man sich dafür als Sänger:in natürlich auch eignen müsste, ist mir auch klar - diese meine Listen sind also ebenso blödsinnig wie wunderbar, weil sie, mir zumindest, unfassbar Spass machen.

Eines kann man in diesem Jahr schon mal erfreulich fest stellen: Konnte ich auch im letzten Jahr meinen Eindruck statistisch untermauern, dass Männer es bei The Volice leichter haben, hat sich das Ganze in diesem Jahr gedreht.

Buzzerschnitt Frauen 2021     Ø 1,76 Vorjahr Ø 1,5

Buzerschnitt  Männer 2021     Ø 1,50 Vorjahr Ø 2,0

Statistischen Staub aufgewirbelt hat bei den Coaches in diesem Jahr Sarah Connor - sie hat die meisten 4er-Buzzer eingeheimst und ihr Team kommt somit auf einen Traumwert von Buzzerschnitt:

Mark Forster     Ø 1,50

Nico Santos      Ø 2,94

Sarah Connor     Ø 3,04

Johannes Oerding Ø 2,42

Hier nun also die drei Balkendiagramme zu Genres, Jahrzehnt und Tempo der gesungenen Songs. (Vorjahreszahlen findet ihr in der Kategorie "Listen Listen Listen")

Buzzerschnitte nach Jahrzehnt der gesungenen Songs.

Balken_jahrzehnt

Buzzerschnitte nach Genres der gesungenen Songs.

Balken_genre

Buzzerschnitte nach Tempi der gesungenen Songs: 1: Ballade / 2: schnellere Ballade / 3: Uptempo  / 4: Uptempo + / 5: Dance, Disco / 06: Dance, Funk, Metal.

Balken_tempi


Infratest Voicemap 2021

Big Data zu den Blind Auditions von "The Voice Of Germany" Staffel 11  - 2021

Folge 01 REINE ZAHLEN

2285173-1024x682Auch in diesem Jahr hat der Popticker die Blind Auditions von Voice Of Germany statistisch analysiert. Kern meiner Analysen ist wie bereits in den letzten Jahren der von mir erfundene Quotient namens Buzzerschnitt. Er benennt den durchschnittlichen Wert an Buzzern, den ein Song oder eine Teilnehmer:innen-Gruppe erzielt - mehr dazu morgen. Heute kommt hier erst einmal das reine Zahlenkonvolut - welche Songs wurden gesungen, bzw. welchem Genre gehörten sie an, aus welchem Jahrzehnt stammen sie, und was für Tempi haben diese Songs. Morgen dann auch aufgeschlüsselt nach denselben Kategorien die jeweiligen Buzzerschnitte. Viel Spass an den Daten wünscht der Popticker.

                           in Runde 2

Teilnehmer:innen      117  75

FRAUEN                050  34

MÄNNER                061  36

DUO / TRIO / MEHR     006  05

 

Songs gesamt          117

davon

Pop                   034

Deutschpop            023

Rock                  014

Soul                  013

Pianoballaden         007

Rap                   005

Traditionals          004

Jazz/Country/Folk   je 03

Latin/Disco/Musical je 02

Metal/Blues/Reagge  je 01

 

Songs aus den

60ern                 005

70ern                 007

80ern                 013

90ern                 002

00ern                 014

10ern                 058

20ern                 015

 

Songtempo

01 Ballade            018

02 schnellere Ballade 030

03 Ballade / Uptempo  030

04 gehobenes Uptempo  021

05 Disco, Dance       014

06 Metal, Funk        004

Auffällig an den diesjährigen Zahlen ist, der noch klarere Trend zu aktuellen Songs. Das mit Abstand meist gespielte Jahrzehnt sind die Zehner. Ich habe in diesem Jahr auch die 20er mit aufgenommen, Songs aus diesem Jahrzehnt gab es immerhin 15 - ein hoher Wert, wenn man bedenkt, dass in diese Kategorie ja nur die Jahre 2020 und 2021 fallen. Die 90er sind der große Verlierer bei den reinen Zahlen - nur 2 Songs stammen aus dem Jahrzehnt von Grunge, Eurodance und Techno.


Infratest Voicemap - Daten zu den Blind Auditions bei The Voice Of Germany 2020

Das Gesellschaftsbild, das sich bei den Teilnehmenden bei The Voice Of Germany zeigt, ist überraschend divers - wenngleich das bei den Coaches nicht wirklich der Fall ist (siehe einen Blogbeitrag weiter unten), aber die statistische Datenlage zeigt jetzt auch: Sängerinnen haben es deutlich schwerer als männliche Kandidaten. Bei insgesamt 17 Sängerinnen wurde nicht gebuzzert, während nur 9 Männer in der ersten Runde ausgeschieden sind. Auch der vom Popticker errechnete Buzzerschnitt untermauert die These, dass Männern Mittelmass eher verziehen wird als Frauen:

Buzzerschnitt (also wieviele von den Coaches haben sich im Durchschnitt umgedreht)

  • ø 2,00 bei den Männern
  • ø 1,53 bei den Frauen

Bei den Songs bestätigt sich nach wie vor der Siegeszug des Popsouls, jene aus dem Hip-Hop und Soul inspirierte Pop-Spielart, die Künstlerinnen wie Rihanna, Dua Lipa, Sia, Rita Ora und so weiter in die Charts spülen: Zwar wurden von insgesamt 92 Songs in den Blind Auditions der 10. Staffel von the Voice Of Germany insgesamt ein paar Lieder mehr gesungen, die dem Pop in Reinform zuzurechnen sind (nämlich insgesamt 30), und von besagten Popsoul „nur“ 27 Lieder - der Popsoul aber brachte es auf einen Buzzerschnitt von ø 2,23 - zum Vergleich siehe weiter unten die Grafik. Insgesamt wurde in diesem Jahr nur nur wenig deustch gesungen - 9 Lieder.

Rein von der Anzahl her dominierte in diesem Jahr auch der aktuelle Chartpop: Gut die Hälfte der präsentierten Lieder stammen aus dem letzten Jahrzehnt (43), während Songs aus den 60ern freilich den durchschnittlich größten Erfolg bei den Coaches hatten - mit einem Buzzerschnitt ø 2,40. Eine eher untergeordnete Rolle scheint das Tempo des Songs zu spielen, den die Kandidat*innen singen - einzig schnellere Uptempo-Nummern fallen mit einem Buzzerschnitt von ø 1,42 ein wenig aus dem Rahmen. Vielleicht sind hier die Anforderungen einerseits smoothes Tempo zu machen, andererseits eine Song-Dramaturgie in eineinhalb Minuten zu quetschen, eine Schwierigkeit. Dafür spräche auch das erfolgsversprechendste Tempo einer schnelleren Ballade mit einem Buzzerschnitt von ø 2,05 - genauere Daten kann man auch hier den Grafiken entnehmen.

Genre

    Jahrzehnt Tempo


Alben & Songs 2019

LouaDer Popticker lässt sich wie immer nicht lumpen und benennt seine liebsten Platten und Lieder dieses Jahres. Ich habe wie meistens in die Liste der für mich tollsten Songs keine aufgenommen, die sich auf eine der 10 schönsten Alben befinden, denn es versteht sich von selbst, dass mir die Lieder auf diesen Alben gut gefallen.

 

ALBEN

01 Lou-Adriane Cassidy C’est la fin du monde tous les jours <mehr>
02 Sudan Archives      Athena <mehr>
03 Lana Del Rey        Norman fucking Rockwell <mehr>
04 Divine Comedy       Office Politics
05 M                   Lettre infinie
06 Marina              Love & Fear <mehr>
07 Vampire Weekend     Father Of The Bride <mehr>
08 Herbert Grönemeyer  Tumult
09 Bruce Springsteen   Western Stars
10 Marika Hackmann     Any Human Friend

SONGS

01 Riff Cohen          Dis-Moi <video>
02 Ok.Danke.Tschüss    Vincent Van Gogh <video>
03 Bess Atwell         Swimming Pool <video>
04 Claire Laffute      Mojo <video>
05 IDER                Wu-Baby <video>
06 Your Smith          In Between Plans <video>
07 Sault               Why Why Why Why Why <audio>
08 Sean O’Hagan        Candy Clock <audio>
09 NACH                La Couleur De L'Amour <video>
10 Vanessa Paradis     Ce que le vent nous souffle <live>

 


90er-Boygroup-Namen ins Deutsche übersetzt

In heutigen Zeiten von Deutschpop hätten die Boybands der 90er (und ein paar aus anderen Dekaden) anders geheissen. Der Popticker hat übersetzt - einer musste das ja mal machen.

Bett und Frühstück            Neue Kinder auf dem Block

B&bSeitengassenjungs             Nimm dies

Welten auseinander            Die Jungz

Erwischt beim Akt             MNKLANG

5 Sekunden des Sommers        Eine Richtung

Jungszone                     Ost 17

Westleben                     Uns Fünf               

Boyzonr

Blau                          Jungs zwei Männer

Noch eine schlechte Kreation  Küsten Stadt Roller

O-Stadt                       Brüde

O-Zone                        Alle vier einen

Um Ergänzungen und Rückübersetzungen wird gebeten.


Die besten Songs & Alben 2018 (streng subjektiv)

Alben

01     David Byrne            American Utopia
02     Mia Diekow             Ärger im Paradies
03     Halo Maud              Je suis une île
04     Dobet Gnahoré          Miziki
05     Sophie Hunger          Molecules 
06     Herbert Grönemeyer     Tumult
07     Jain                   Souldier
08     Vanessa Paradis        Les Sources
09     Fatoumata Diawara      Fenfo
10     Christine & the Queens Chris

Songs 

01     Your Smith             The spot / <video>
02     Chris                  Damn, dis moi <video>
03     Dobet Gnahoré          La Clé / <audio>
04     Claire Laffut          Mojo / <video>
05     Sophie Hunger          She makes president
06     Laing                  Meine Sprache / <live>
07     Mia Diekow             Winterfell / <live>
08     David Byrne            Everybody’s coming to my house 

09     Jain                   Flash (Point-Noire)/ <lyric-video>
10     Herbert Grönemeyer     Leichtsinn und Liebe

„Everyday is a miracle“, singt David Byrne auf einer Platte, die er allen Ernstes „american utopia“ nennt, eine musikalische Spurensuche, könnte man sagen, nach dem Guten auf der Welt, die Byrne zeitgleich auf einer Website ("reasons to be cheerful") anstrebt, auf der er gute Nachrichten sammelt und verbreitet. Und das in diesem weltmusikalischen Popentwurf aus verzwackten Rhythmen, globalen Harmonien, schönen Melodien, Geschichten und surrealen Allegorien - eine erhabenes Album eines erhabenen Altmeisters war für mich in diesem Jahr das Beste - und auch wenn Lichtjahre zwischen den Popentwürfen und den Altern von ihm, Byrne und Mia Diekow liegen mögen, so gibt es doch eine Parallele: Songtexte zwischen Geschichte und Surrealem. Mia Diekow hat etwas gemacht, da muss man auch erst mal drauf kommen - eine deutschsprachige Bluesplatte. So höre ich das jedenfalls. Mit Streichern, folkigen Tupfern, komischen Ideen, Sprechparts und archaischen Sprachbildern, die bisweilen nach Naturlyrik klingen, Gospelanleihen und Jazzharmonien - auf dem Album „Ärger im Paradies“ sind so viel schöne Ideen und Lieder drauf, dass ich es so oft wie kein anderes in diesem Jahr gehört habe. Halo Maud hat dem französischen Chanson wiederum eine grosse Prise Pop und eine kleine Prise Prog-Rock abgewonnen und aus diesen Erträgen ihr Album „je suis und île“ gekocht, das ich zu tiefst subjektiv tief liebe, ohne genau sagen zu können, warum - hört mal hin - < HIER > zum Beispiel. Im Falle von Dobet Gnahorés Platte habe ich das zumindest versucht, < HIER >, und Sophie Hunger? Ja, die kann eben urplötzlich auch Synthiepop - und über meine Platten des Jahres 06 bis 10 wird hier noch die Rede sein, in der ersten Januar-Woche.


Listen, Listen, Listen: spanisch-sprachige Songs als Nummer 1-Hits in Deutschland

Nach dem bahnbrechenden Erfolg meiner Liste der französisch-sprachigen Songs als Nummer 1-Hits in Deutschland (kein Blogpost wird öfter besucht, warum auch immer) nun der neue Listen-Kracher: Songs mit spanischem Text an der deutschen-Singlechart-Spitze.(*)

Song            Interpret         Zeitpunkt

PoquePorque Te Vas   Jeanette Dimech   1972
Hijo De La Luna Loona             1998
Copa De La Vida Ricky Martin      1998
Lambada         Kaoma             1989
Macarena        Los Del Rio       1996
Ketchup song    Las Ketchup       2002
Obsession       Aventura          2003
Chamisa Negra   Juanes            2006
Despacito       Luis Fonsi        2017

 

(*) mit spanischer Musik kenne ich mich so gar nicht aus, und es gibt auch keine vergleichbare Liste im Internet - ergo erhebt diese Liste nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, und ich bin für Ergänzungen jeder Art dankbar (hier in die Kommentare oder per mail an kukulismus at web Punkt de)


Kleine Ideengeschichte der Popmusik Folge 01

Wer gerne noch Vinyl kauft, findet in älteren Platten manchmal noch so genannte Presse-Sheets, auf denen die Musik und ihr Image-Korridor im Popmarkt umrissen ist, damit man auch im Vorhinein weiss, was man zu hören bekommt. An sich wurden hier für mögliche Kritiker in Fachzeitschriften Informationen zum „Produkt“ zusammen gestellt, die Musik-Industrie schuf sich so eine eigene Sprache, um über Popmusik reden zu können. Diese Sprache verselbstständigte sich dann in dem Sinne, als das die Industrie Wirkungsweisen und Sound-Konstrukte sprachlich ersann, bevor es sie zu hören gab. Ähnlich der Konzeptkunst in der Hochkultur kam also die Idee auf, Pop-Acts zu erfinden, die einem Erfolg versprechenden Konzept entsprachen, welche danach in die Tat umgesetzt werden. Diese Konzepte können freilich temporäre Erscheinungsfiguren bereits existierender Popstars sein - ebenso aber auch ganzheitliche Pop-Entwürfe, zu deren Realisierung dann MusikerInnen gesucht werden, die das vorformulierte Konzept verkörpern können (die Veröffentlichung dieser Suche hat dann wiederum die Castingshows hervor gebracht). Oder aber MusikerInnen ersinnen sich selber ein Pop-Konzept, das zu Ihnen passt, um es danach selber in die Tat umzusetzen. In einer neuen losen Reihe erinnert der Popticker an Konzept-Pop und Pop-Konzepte dieser Art - eine kleine Ideengeschichte der Popmusik von unserem Gastautoren Dietmar Poppeling.

3NANA

Was war wann die Idee?
Ghetto- und Gangster-Rap waren Mitte der 90er schon eine Hausnummer im deutschen Pop-Markt, aber die Ghettos und Gangster waren weit weg. Man wollte einen US-Star vor Ort, einen Gangster, der auch zu Echo- und Bambi-Verleihungen kommt; und erfand Nana.

Wer steckte dahinter?
Nana Kwame Abrovka, ein gebürtiger Ghanaer, der im Alter von 12 Jahren mit seiner Mutter nach Hamburg kam, sich als DJ versuchte und für seine Rolle Gangster-Rapper ein kleines Vorstrafenregister vorzuweisen hatte.

Wie hörte sich das an?
Für damalige Verhältnisse sehr amerikanisch und authentisch gangstrig: Boom-Bässe, Bing, Bling und Synthie-Strings und darauf oder vielmehr darunter eine tiefe Rap-Stimme.

Wie sah das dann aus?
Die an der Hand abzählbaren Musikvideos erzählen die Geschichte eines Schwerverbrechers, der mehrere Lieder lang von mehreren Swat-Teams gejagt wird und dabei unter verschiedensten Umständen häufig in Autos einsteigt und fast ebenso oft auch aussteigt. Das Ganze hatte ein vergleichsweise hohes Budget, mit dem sich eine visuell adäquat amerikanische Ästhetik für Nana inszenieren liess.

Wer hat's erfunden?
Tim Renner. Der also offensichtlich immer wieder mal Ideen hat - manchmal auch sehr gute. Chris Dercon und Nana gehören eher nicht dazu.

Hat es funktioniert?
Künstlerisch tendenziell weniger. Aus heutiger Sicht hört sich das an wie ein Eurodance-Zwischenrap, der zu ganzen Liedern aufgeblasen wurde. Kommerziell war die Ausbeute immerhin bei zwei Top-10-Alben, einen No-1-Hit und drei weiteren Liedern in den Top-10 der deutschen Singlecharts - ähnlich nahmen sich die Charterfolge in Österreich und der Schweiz aus.

Und was ist daraus geworden?
Nana verwaltet sein Oeuvre mit Auftritten und Remixen.

 

BettybooBETTY BOO

Was war wann die Idee?
Vorbild war hier die Comic-Figur Betty Boop - eine der ersten populären, weiblichen Comic-Charaktere, welche nicht geschlechtslos daher kam - wie zum Beispiel Minnie Maus. Es waren die späten 80er Jahre, und mit der comichaften Erscheinungsfigur einer Popsängerin sollte die innerhalb Punk-Szene entstandene, feministisch subkulturelle Bewegung der Riot Grrrls in den oberflächlich schimmernden Pop-Mainstream übersetzt werden. Hierfür bekam die Figurenkonstruktion noch ein Prise Emma Peel.

Wer steckte dahinter?
Die 1970 in London geborene Alison Moira Clarkson kam zur Musik ursprünglich als Toningenieurin, bevor sie in Eigenregie ihr technisches Know-How nutzte um selber Songs aufzunehmen.

Wie hörte sich das an?
Eine Mischung aus Neneh Cherry, Deee-Lite und Salt N Peppa mit einer Prise britischem Skas.

Wie sah das aus?
Ein wenig wie der Comicrealfilm "Falsches Spiel mit Roger Rabbit": Bunt, reingemalt, britisch und retrofuturistisch wie ein Star-Trek-Spin-Off. Die Plattencover waren allesamt Comics.

Wer hat's erfunden?
Alison Moira Clarkson selber.

Hat es funktioniert?
Kommerziell hatte man sich vermutlich mehr erhofft - es fielen nur ein paar Top-Ten-Platzierungen und eine Nummer 1 in den amerikanischen Dance-Charts ab. Künstlerisch ist der Betty-Boo-Popentwurf freilich durchaus auch heute noch interessant - Lily Allen, Kate Nash, Katy Perry sind alles Sängerinnen, die wahrscheinlich wissen, wer und wie Betty Boo war.

Und was ist draus geworden?
Betty Boo als Figur existiert nicht mehr, aber Alison Moira Clarkson tritt mit dem alten Material noch vereinzelt auf, schreibt Songs für andere und taucht immer mal wieder in Bands und Kollaborationen auf.

Sex2SEX PISTOLS

Was war wann die Idee?
1975 Punk. Punkt.

Wer steckte dahinter?
Johnny Rotten, Steve Jones, Glen Matlock, Paul Cook und der 1979 verstorbene Sid Vicious

Wie hörte sich das an?
Punk. Punkt.

Wie sah das aus?
Punk. Punkt.

Wer hat's erfunden?
Malcolm McLaren

Hat es funktioniert?
Ja.

Und was ist draus geworden?
Ob Punkt noch lebt, darüber lässt sich lange diskutieren - die Sex Pistols haben sich laut Wikipedia inzwischen viermal aufgelöst. Für ein fünftes Mal müsste man sich erst einmal wieder zusammen rotten.


Alben & Songs 2016

ALBEN 2016 -

01    Aziza Brahim        Soutak

Dieses Album hat sich durch einen Unweg zum Album des Jahres 2016 gemausert, es ist nämlich eigentlich schon 2014 erschienen. Aziza Brahim habe ich im Internet entdeckt und dann im Plattenladen meines Vertrauens dieses Album, „Soutak“,  gefunden, bis vor ein paar Tagen hielt ich es daher für das aktuelle. Vor ein paar Monaten aber ist tatsächlich der Nachfolger „Abber El Aziza-brahim-soutakHamada“ erschienen, und ich bin relativ sicher, dass, wenn ich dieses erstanden hätte, es heute und hier als Platte des Jahres gennant wäre - doch Ehre wem Ehre gebührt: „Soutak“ von Aziza Brahim ist grandios, und wer diese Musik für sich entdecken möchte, kann sich auch für das aktuellere Album entscheiden - oder gleich beide.

Aziza Brahim stammt aus der Westsahara, die Sahrauis sind ein Volk, dessen Heimaterde von Marokko als Territorium beansprucht wird, Marokko erkennt die von den Sahrauis ausgerufenen „Demokratische Arabische Republik Sahara“ nicht an, viele Sahrauis leben seit den 90er Jahren in Flüchtlingslagern in der algerischen Sahara. Aziza Brahim singt von der Entwurzelung und dem Leid ihres Volks, von Kriegen und von der Sehnsucht nach Ruhe, Frieden und Heimat. Ihre Lieder sind von emotionaler und politischer Dringlichkeit.

Dieses wie auch das erwähnte neuere Album hat sie mit vielen MusikerInnen aus Mali eingespielt, und  der Wind des Wüstenblues aus Mali weht durch dieses Album, gleichzeitig greift diese Musik Ideen des algerischen Rai auf - die tiefe Verbundenheit zu traditionellen Musiken aus der politischen zerrissenen Gegend ihrer Heimat steht in direktem Zusammenhang mit dem thematischen Schwerpunkt der Entwurzelung. Das einzige Zugeständnis an Pop ist hierbei das Bedienen des Song- wie Album-Formats. In diesem Sinne ist es eine in jeglicher Hinsicht höchst ungewöhnliche Popmusik klarer Authentizität, die in keiner Weise ironisch gebrochen erscheint, und mit der man seine um die Ecken hörenden Pop-Ohren durchspülen sollte.

02    Jain                Zanaka

Jain-Zanaka-2015
Die 19-Jährige Marseillerin hat eine Art Wohnzimmerweltmusik erfunden, die zwar mit Computer und Loopmaschine gebaut wurde und live dargeboten werden kann, die aber Afrobeat und Dancehall gekonnt zu Popmusik umschmiedet, so dass das Tanzbein stetig zuckt. Als ich „come“ das erste Mal hörte, wusste ich schon nach 7 Sekunden, dass ich es lieben würde, und das Album ist ein Poperweckungserlebnis wie anno dazumal das Debut von Lily Allen - nur noch weltiger.

03    The Divine Comedy    Foreverland  // Mehr dazu < HIER >
04    Oy                   Space Diaspora // Mehr dazu < HIER >
05    Paul Simon           Stranger To Stranger // Mehr dazu < HIER >
06    Malky                Where Is Piemont? 

MalkyDas ist auf halber Strecke stetig zu zerbrechen drohender Folk aus Berlin, der gleichzeitig auf Breitwand und Cinemascope produziert ist, wunderbare Melodien, merkwürdige Texte, ein grossartiger Sänger und erlesene Gäste - über dieses Album wird in diesem Blog noch zu lesen sein.

07    David Bowie          Blackstar //
08    Beyoncé              Lemonade // Mehr dazu < HIER >
09    Poliça               United Crushers // Mehr dazu < HIER >
10    Norah Jones          Day Breaks // Mehr dazu < HIER >


SONGS 2016 -

01    Youssou N‘Dour        Gorée
02    Paul Simon            Wristband
03    Jain                  Makeba
04    Oy                    Space Diaspora
05    M *                   Bal De Bamako
06    The Divine Comedy     Foreverland
07    Malky                 Lampedusa
08    Poliça                Lime Habit
09    Beyoncé               Daddy Lessons
10    Pet Shop Boys         The Pop Kids

* feat. Sidiki Diabaté, Toumani Diabaté, Fatoumata Diawara & Oxxmo Puccino