Pop heute: Alben 2021

Da sind wir nun, unwissend

Die zweite Platte der wundervollen Lou-Adriane Cassidy

Im siebten Song erst kommen die hinreissenden Streicher, die das erste Album von Lou-Adriane Cassidy so dramatisch und schön gemacht haben. Das soeben erschienene Zweite ist in jeder Hinsicht rauher, ungeschliffener und sucht seinen Chanson-Entwurf nicht im Drama sondern gewissermassen im LouIndierock. Schon die Vorabsingle „J’espère encore que quelque part l’attente s’arrête“ war ein kurzer Wutschrei, ein Riff, eine Melodie, die Hoffnung, dass ein nicht näher erklärtes Warten ein Ende hat, und nach nicht einmal zwei Minuten ist das auch schon wieder vorbei. „Lou-Adriane Cassidy vous dit: Bonsoir“ heißt diese Platte, und sie sagt hier nicht nur guten Abend sondern singt natürlich auch  - von diffusen Ängsten, merkwürdigen Zeiten, besagten Hoffnungen und von Sex. Und natürlich Liebe. In 10 Songs von ingesamt gerade einmal 23 Minuten zieht sie unter ihren jazzigen Pop eine Prise Rock, nimmt einen kurzen Beatlesremiszenz-Umweg, zitiert Plastic Bertrand, findet zu einer zynischen Pianoballade und mixt das ganze zu einem diffusen Chansonschaum auf. Zum Schluss teil sie mit: „L’album est finit, nous voici arrivé á la sortie, vas meme decouder, mais ce n’est pas qu’un au revoir: Bonsoir, Bonsoir, Bonsoir.“ - wunderbar. („Das Album ist zu Ende, da sind wir nun unwissend am Ausgang, aber es ist nicht nur ein Abschied: Guten Abend. Guten Abend. Guten Abend.“) Vielleicht sind diese 23 Minuten was für Fans, ich bin einer, aber wer diese unfassbar großartige Sängerin aus Kanada für sich entdecken will, dem sei hier vielleicht eher ihr Debüt-Album „C’est la fin du monde à tous les jours“ ans Herz gelegt - < HIER > meine Huldigung dazu.


Der Schalk im Nacken des Vergessens

Neue Platten von Maite und Michael-Patrick Kelly

Die Geschwister Maite und Michael-Patrick, einst Mitglied der in den 90ern absurd erfolgreichen Kelly-Family, veröffentlichen heute beide neue Alben. Zwischen diesen Platten zieht sich ein Panoptikum auf, das auf eine gewisse Weise exemplarisch für die deutsche Poplandschaft als solche angesehen werden kann.  Während Michael-Patrick Kelly auf seiner Platte „B.O.A.T.S“ einen sphärischen Folk-Rock sucht und ihn in Form eines kitschigen Well-Made-Pops findet, Maitehat Maite Kelly das Identitäts-Angebot des Schlagers angenommen und präsentiert auf ihrem Album „Hello“ klassischen Helene-Fischer-Franchise. Zwar sind die beiden Kelly-Platten vom Stil also höchst unterschiedlich, dennoch stehen beide für eine Pop-Spielart, die so nur in Deutschland möglich beziehungsweise erfolgreich ist: Beide segeln im Schlager-Fahrwasser, weil sie Hedonismus mit äusserst unhedonistischen Mitteln predigen.

Das ist per se natürlich nicht verwerflich sondern ein völlig legitimes Mittel, um sich der heutigen, mehr als unübersichtlichen Welt zu nähern, beziehungsweise um akustische Angebote der Ablenkung anzubieten. Was beiden Platten aber abgeht, ist das Augenzwinkern hinter den Popentwürfen, der Schalk im Nacken des Vergessens aller Schwierigkeiten. (Wie das funktioniert, dazu muss man sich unter den heutigen Neuerscheinungen nur einmal eine Platte weiter klicken - in die Guest-Edition von Kylie Minogues letzter Platte „DISCO“: Der hier zelebrierte Sound wird mit derartig ironischer Leidenschaft am Rande der Perfektion vorgetragen, dass es eine Freude ist.) Aber offenbar möchten anders als ich die meisten Pophörer:innen diese campe Durchlässigkeit nicht hören, sondern statt dessen eben die Illusion authentischer Emotion.

Irgendwie kommt mir das abwegig vor, aber dann hört man Maite Kelly diese Strophe des Songs „So lange Sehnsucht in mir lebt“ singen: „Ich leb’ im Schatten der Routine, und man sieht es mir nicht an. Ich lenk’ mich nur ab, Paddykämpf mich durch den Tag, denn irgendwann komme ich an.“ - und dann denkt man: Vielleicht ist das tatsächlich ihre Lebenssicht, vielleicht zeigt sich in solchen Zeilen der Versuch einer tiefschürfenden Klarheit und echten Authentizität. „Für Gefühle kann man nichts, zwischen Wahrheit oder Pflicht“, singt Maite an anderer Stelle, und das lässt mich dann denken, dass ironische Brechung hier einerseits völlig fehl am Platz wäre, andererseits aber vielleicht durchaus Teil dieser Popmusik ist, und ich sie nur nicht höre, weil sie anders verbaut wird, als Kylie Minogue das macht. Auch Zeilen wie „You tell me you're okay / But your voice don't match the words you said“ aus Patrick Kellys Song „blurred eyes“ hat nicht die Doppelbödigkeit, die ich an Popsongs liebe, aber was für mich versatzstückhaft klingt, kann man durchaus auch als gradlinige Ehrlichkeit lesen.

Man kann es nicht aufklären, denn es geht hier um Geschmack, klar. Aber man kann durchaus mit offenen Ohren zur Kenntnis nehmen, dass die beiläufige Relativierung des eigenen Popentwurfs nicht das Mass aller Dinge sein muss. In dem Schlager einer Maite Kelly oder dem Folk Pop ihres Bruders steck irrsinnig viel Pathos und Kitsch. Aber irgendwo kommt der her. Und hat seine Berechtigung, auch wenn das nicht gefällt.

nota bene: Maite Kellys Platte ist schon im März erschienen. Heute neu ist eine Bonus-Edition dieses Albums.


Dübel des Kunstlieds

Ohren auf Deutschpop werfen - Folge 19 /// Bildschirmfoto 2021-11-04 um 10.38.55Fernab von allen Ouh-Oh-Verdachtsmomenten und all den Menschen-Leben-Tanzen-Allerwelts-Pop hat die Songschreiberin und Sängerin Lina Maly einen zerbrechlich stillen Popentwurf für ihre sehnsüchtigen Texte gefunden ihres neuen Albums gefunden - Piano, leichte Percussion, Tupfer von Gitarren, hin und wieder eine Synthie-Fläche und darauf gerade so gesungen. Das Ganze ist so zurückhaltend gehalten, dass man immer auch Angst bekommt, gleich könnte, was hieran noch Pop ist, wieder entflattern. Und als wäre das musikalisch eben nicht schon ungreifbar wie eine Seife in der Badewanne, handelt die Single „Wolken“ dann auch noch von Wolken: „Wir wussten beide es ist aus, nur hat es keiner geglaubt / Aber Wolken reißen auf, ob man hin oder weg schaut.“ Man kann das leicht abtun als kitschigen Folkpop, bei dem weder Folk noch Pop gelingt, aber das Unbeständige, das Gefühl, beim Hören könnten diese Songs entschwinden, ist in meinen Augen auch eine große Kunst. Dieses Album, es trägt den Titel „nie zur selben Zeit“, bleibt still und bescheiden und findet Schönheit und Größe durch die Hintertür. /// Bildschirmfoto 2021-11-04 um 10.39.16Wo Lina Maly ihn also weg lässt, den Pathos, sucht Tristan Brusch ihn, indem er so singt, als habe er Jacques Brel übersetzt: „Wenn die Liebe uns verlässt, halten wir uns fest, halten wir uns fest - am Rest.“ Diese Musik fischt gleichzeitig im Mut zu Kitsch als auch im blanken Unsinn, und irgendwo in der Wand dazwischen hält ein Dübel auch noch das Kunstlied fest. Um so merkwürdiger, dass die Popsozialisation des singenden Songschreibers wiederum eher im Deutschrap erfolgte. Aber bei all den genannten Schubladen: Sein neuestes Album, das eben nach dem bereits zitierten Titelsong „am Rest“ benannt ist, sucht den Korridor für deutschsprachigen Chanson, durch den einst Reinhard Mey ins Wohnzimmer lief, einschliesslich vermeintlich hörbarer Vinyl-Kratzer. Aus irgendeinem Grund halte ich diese Lieder nur ganz schwer aus, aber nicht weil sie nichts taugen, im Gegenteil, sie sind nur für das Weghören eine Zumutung; eine Entdeckung, über die ich gerne mehr schreiben würde. /// 


Wenn die Kälte kommt

Über die Tautologie als lyrische Stilfigur im Pop

In dem Video zum Titelsong ihres neuen Albums „wenn die Kälte kommt“ befindet sich die Band Santiano in einer Eiswüste mit Eiszapfen an ihren Bärten, Schnee auf ihren Instrumenten und Dampf aus ihren Mündern. Der ohnehin identitätsstiftende Eskapismus der Formation, der sich aus der Huldigung der mittelalterlichen Seefahrt speist, erfährt in Zeiten, in denen der Klimawandel omnipräsent ist, eine antizyklische Steigerung durch das Heraufbeschwören einer Eiszeit. Unklar bleibt unterdessen, warum diese Eiszeit eintritt, oder für was sie steht, denn Antworten auf die Frage, was denn geschieht, wenn die Kälte kommt, bekommen wir nur sehr spärlich: „Wenn die Kälte kommt / Mit eisiger Hand / Wenn die Kälte kommt / Und dein Herz übermannt / Wenn die Seele friert / Der Atem dir brennt / Dann bin ich bei dir“. Man könnte das Ganze auch so zusammen fassen: Wenn die Kälte kommt, wird es kalt. Diese bestürzend banale Tautologie ist aber im Grunde die wesentliche allegorische 22530179-01Stilfigur, mit denen Santiano ihre Songtexte gestalten und ihre mittelalterliche Seefahrer-Romantik konstruieren: Wenn es auf den Recken regnet, wird er nass, wenn der Met fliesst, trinkt man Alkohol, wenn es stürmt, türmen sich Wellen. Ein anderes Lied auf dem neuen Album heißt „wer kann segeln ohne Wind?“ - Antwort, Spoiler Alert: Niemand. Und in dem Song „solang die Fiddle spielt“, gibt es konsequenter Weise gar keinen Gesang: So lange nämlich die Fiddle spielt, spielt die Fiddle - klar.

Das also etwas unterkomplexe Konstrukt zum Beschreiben einer an sich entrückten, anderen Wirklichkeit mit den Mitteln von Popmusik scheint massgeblich und gewollt - immerhin hat man als Co-Writer für einige der neuen Santiano-Songs Frank Ramond engagiert, der an sich als gewitzt doppelbödiger Songtexter für zum Beispiel Annett Louisan, Yvonne Catterfeld oder den ja leider verstorbenen Roger Cicero bekannt ist. Mit dessen Hilfe hätte man sicherlich auch scharfsinnigere Narrative von Rittern, Seefahrt und Wildschweinen erfinden können, als die Erkenntnis, dass man draussen auf dem Meer in der Ferne vor allem Horizonte sieht - ein weiteres Lied auf der Platte. So weit hergeholt die Welten sein sollen, die hier besungen werden, so überschaubar müssen sie offenbar bleiben, um als Singalongs im Jahre 2021 zugänglich zu bleiben. Letztlich ist das tautologische Rezept für einen Liedtext vielleicht sogar präsenter in der Poplandschaft, als man denken mag. Die neue Platte von Coldplay handelt zum Beispiel von der Raumfahrt, und wenn man sich deren Texte durchliest, erlangt man diese Erkenntnis: Wenn man ins Weltall fliegt, ist man in anderen Sphären. Und Helene Fischer singt zum Beispiel auf ihrem derzeitigen Album das Lied „wenn alles durchdreht“ - einen Nebensatz, den sie für den Refrain gar nicht mehr grammatisch und somit inhaltlich ergänzt: Wenn alles durchdreht … ja was denn jetzt? Naja, dreht eben alles durch.

Man könnte mir nun vorwerfen, dass ich mich durch die Albumcharts klicke und wie jemand, der Schuhe kauft, nur auf Schuhe achtet, jede Liedzeile als tautologische Allegorie im Sinne von Santiano interpretiere, aber für Santiano gilt meiner Meinung nach wie gesagt durchaus, dass die bestürzenden Banalitäten, die hier gesungen werden, so auch gewollt sind - musikalisch ist das nämlich auch souverän so ausgestaltet, wie man klingen möchte: Maskulin-mittelalterlicher Shanty-Poprock. Der eben, das sei noch mal erwähnt, irre erfolgreich ist - vor ihnen in den Charts sind derzeit nur Helene Fischer und Coldplay.


Crème da Marrons auf frischem Baguette

Französischer wird’s in diesem Jahr nicht mehr: Claire Laffut und ihr Debüt-Album „bleu“

Der klassische, französische Chanson ist vielleicht die Lebensversicherung französischen Pops überhaupt, der Kern, auf die sich jede musikalische Liebeserklärung, Erneuerung, Distanzierung verlässt, und vielleicht hängt diese Verlässlichkeit, dass Popmusik irgendwie verankert ist, auch damit zusammen, dass der Chanson keine markante historische Pause gemacht hat - französischer Pop greift bis über 100 Jahre zurück, ohne das veranlassen oder auch nur mitdenken zu müssen. Eventuell ist das auch Blödsinn, aber zweifelsohne ist die Popmusik aus Frankreich so vielfältig, wie man sich unsere manchmal wünschen würde, und der Einfallsreichtum, mit denen Popmusiker:innen auf unterschiedlichste Stile zurück greifen und sich aus dem Sound-, Melodie- und Beat-Archiv bedienen, macht zumindest mir einen Heidenspass.

BleuSo auch bei Claire Laffut, bei der die Suche nach Zugriffen, die Wartezeit auf ein erstes Album deutlich verlängert hat. Mit einer Art Lounge-Chanson, der in die Cocktail-Bar zu Gin-Tonic und Mitwippen einzuladen scheint, hat sie sich in Frankreich einen Namen gemacht, und mit Leichtigkeit hätte sie mit diesem Popentwurf ein Album füllen können - sie liess sich aber eben Zeit und veröffentlichte hier und da Singles und EPs. Nun aber ist das Debüt-Album erschienen, und es wird klar, dass sie noch weitere Ebenen in ihren relaxten Pop unterheben wollte - und das dauert dann eben: „MDMA“, der Opener des Albums „bleu“, klingt nach elektronischem Afrobeat, „Sérité“ ist scharfsinniger Synthiepop, „Vertige“ ist doppebödiger Diskofox - nach drei Songs hat man hier schon fünf, sechs Popstile verbaut, und das zieht sich so durch das Album,  und Songs schreiben kann diese Musikerin ohnehin: Stets verschränkt sie surreale Ebenen mit klassischen Zeilen über Liebe und Alltag, und ehe man sich es versieht, spricht sie nicht mehr über Augen, sondern von Magneten, die, wenn sie sich anziehen, kein Alibi brauchen - und man denkt plötzlich: he?

Und diese relaxte Grundhaltung tut gut in einer Zeit mangelnden Überblicks. Es klingt nach Leichtigkeit und Popschwüle, trockenem Rosé mit Kastanienduft und Eiffelturm, Buttercroissant und ein Café au Lait - französischer wird’s nimmer in diesem Jahr (auch wenn Laffut übrigens Belgierin ist), für mich bislang das betörendste Album des Jahres - das Warten hat sich gelohnt.


Verschiebung

Max

Ohren auf Deutschpop werfen- Folge 18 /// Max Mutzke ist doch eigentlich stimmlich in der Lage, Soul, Blues und Jazz zu singen - ich komme nicht dahinter, warum er auf seinem neuen Album „wunschlos süchtig“ einem Deutschpop-Sound hinterher läuft, der ihm nichts abverlangt. Die Platte klingt einheitlich weg produziert, man spürt nicht mal eine Band, nix Erdiges - und auch die Texte strotzen nicht gerade vor Einfallsreichtum: „einfach machen, Tag planen, sich zurück Maffaylassen, vermissen, was abmachen, eine Nachricht lesen, gleich zurück schreiben, dich abholen, in deine Arme treiben, Wärme fühlen, keine Spiele spielen - weil wir glücklich sind, weil wir wunschlos süchtig sind“ - ja, das ist schon ganz in Ordnung geschrieben, eingefangen, dass für viele Menschen eine gewisse Lockerheit erreichbar wäre, aber es ist schon auch wieder umgekehrt dieser deutschpoppige Suche nach Unzufriedenheit, eine Suche nach Ungeduld, die auf der anderen Seite dann auch weggedudelt wird. Max Mutzke kann mehr. /// Wer also was Erdiges sucht, der könnte bei Peter Maffay fündig werden - sein neues Album „so weit“  ruht in sich, muss niemandem etwas beweisen und ist ein Blues-Album mit Schlagertexten: „Ein Leben läuft nie wie geplant und nicht nur geradeaus / OttMal läuft es rund und manchmal fliegt man aus der Kurve raus / Mal ist ein Weg gesperrt, mal endet er im Nirgendwo / Mal hat man freie Fahrt und manchmal sieht man nur noch Rot“ - man kann das natürlich blöd finden, fair enough, aber ich sag euch mal was: Mir gefällt das. /// Dass der Schlager ein deutlich offeneres Gesellschaftsbild herauf beschwört, als der klassische Deutschpop sich das traut, ist uns in diesem Blog schon öfter aufgefallen - bestes Beispiel: Die offen lesbische Kerstin Ott. Ihr neues Album „nachts sind alle Katzen grau“ knüpft an dem Konzept eines queeren Schlagers an: „Der Lehrer unter seinem Anzug / Versteckt der Tag seine Tattoos / Die Ärztin hat heut was genommen / Was sie sonst verschreiben muss / Sie tauchen einfach in die Menge / Und die Boxen legen los!“- gut dass es das gibt, hören muss ich es nicht. /// MarkMark Forster hat tatsächlich seinen Sound entschlackt, kaum Pomp, fast minimal klingt sein aktuelles Album „Musketiere“ an der ein oder anderen Stelle, und dann wird es scheuer Blues, Gospel fast - richtig gut ist der Song „Leichtsinn“, der er mit dem Produzententeam Kitschkrieg geschrieben und produziert hat. Hier verschiebt Piano eine in sich gestockte Hammond auf einen Beat rüber - und dann reimt er auch noch fern von Versatzstücken: „Ich hat mal sowas wie Flugangst, doch das verflog dann, als du kamst.“ - diese Zeile hört sich an wie Strophe und wird dann aber als Refrain wiederholt. In diesem reduziertem, sich stets lyrisch wie musikalisch verschiebenden Song zeigt sich großer, eindrücklicher Pop. Überhaupt ist das ein Album von überraschend erhabener Popklarheit.


Rotwein im Federkleid

Pop in Startblöcken #01: Isa Jansen und Josua Schwab

Isa Jansens Musik orientiert sich durchaus am Folkpop, wie man ihn auch immer wieder mal mit deutschen Texten hört - klare Arrangements, vornehmlich akustische Instrumente, lyrische Geschichten und Riffs, die nicht behaupten, den Pop neu zu erfinden. IsaAber singen tut sie ihre eigenen Lieder eher wie Jazz, immer wieder mal kippt die Stimme knapp am klaren Ton vorbei und verhindert so, dass sie sich in dem beschriebenen Folk-Bett einkuschelt, und die Texte sind lyrisch-kryptisch verschachtelte Allegorien. Die vier Songs ihrer gerade erschienenen EP „Federkleid“ hievt diese Strategie auch aus einer gewissen Komfortzone der Hörer:in - will sagen: Man kann das nicht so gut durch sich durchdudeln lassen, was wiederum beim Folkpop ja auch ganz angenehm sein kann. Aber die Lieder von Isa Jansen halten dem Anspruch, den sie an sich selber zu stellen scheinen, stand. In dem Song „Junger Kettenhund“ zum Beispiel, der Opener der EP, bleibt auf angenehme Weise unklar, wer dieser Kettenhund ist: „Vernünftig sicher und kontrolliert / Dein Herz in zwei halbiert / Kriegst es einfach nicht sortiert / Der Hund nach seinem Nutzen giert:“ Dieser Song verzichtet im Grunde auf einen Refrain, bleibt bei losem Reimschema bei sieben vierzeiligen Strophen, hält aber dennoch mit erwähnt lyrischen Mitteln die Spannung, und die leicht sich steigernden Bläsersätze helfen dabei. Diese kleine, feine Songsammlung ist vermutlich kein Meisterwerk im Sinne einer Popmusikerin mit letzten Antworten auf die Frage, wie ihre Musik klingen soll, sondern eine Station eben auf der ehrlichen Suche nach einem Popentwurf zwischen Folk und Jazz.

Auch vier Lieder hat der Singer- und Songwriter Josua Schwab heute in Form einer EP veröffentlicht - überhaupt scheint die EP ja Josuadas Format der Stunde. Schwabs’ heißt „Dein Rotwein“, und der titelgebende Wein ist die Erinnerung an eine Frau, die das singende Ich aus nicht genanntem Grund zwei Jahre nicht gesehen hat: „Liebe Grüße aus der Ferne / Ich hab grad an dich gedacht / Hab deinen Wein bei mir gefunden / Und hätte ihn fast aufgemacht“. Der Wein also hat sich mit Erinnerung aufgeladen, und das ist ja auch eine schöne lyrische Allegorie, wenngleich die Texte von Josua Schwab insgesamt mehr realistischer sind, geschichtenhafter (als die von Isa Jansen), und er singt klar strukturierte Dus an. Seine Musik ist dann aber Bandpop mit einer klaren Brise gestauchtem Funks. Dazu passt, dass Schwab seine Stimme anstrengungsfrei ins Falsett ziehen kann und plötzlich klingt wie Justin Timberlake - nice. Vor allem, weil er das auch sozusagen inhaltlich einzusetzen vermag. Zwar zeigt sich der Popentwurf von Josua Schwab in sich geformt und produziert, aber auch hier wird keine Sekunde lang behauptet, man habe die das Poprezept schlechthin, und die vier Lieder bleiben ehrlich in ihrer Suche nach schöner Popmusik. 

Das ist dann vielleicht die Gemeinsamkeit zwischen den beiden Musikerinnen in dieser ersten Folge meiner neuen Rubrik „Pop in Startblöcken“, auch wenn die Musiken unfassbar unterschiedlich sind. Und hier sind die Links zu der Webseite von Isa Jansen und der Instagram-Seite von Josua Schwab.


Pop als Kulturtechnik

Marina findet zu sich mit einem Album des Jahres. Mindestens.

Marina Diamandis, unter ihrem Vornamen bekannt, früher Marina & The Diamonds genannt, schreibt und komponiert Lieder, in denen bereits die Merkmale und Stärken ihres Gesangs, ihrer Stimme, ihr Timbre, ihre Art zu phrasieren mitgedacht sind, ohne dass diese Lieder all zu gedacht wirken. Diese aussergewöhnliche Popsängerin braucht daher keinen Signature-Song, um einen Signature-Sound zu haben. Diese ihre Unverkennbarkeit liegt unter Anderem in der Art, wie sie ohne viel Aufhebens von Brust- zu Kopfstimme und wieder zurück springen kann, wie sie geliehene Akkorde in Melodie-Bögen webt, ohne die Eingängigkeit ihres Popentwurfes zu verlassen, wie sie mit wenigen Tupfern Pop-Lässigkeit in Pathos überführen kann und dabei auch die Disko nie vergisst.

Marina_ancientMag ihre letzte Platte, ein Doppelalbum namens „Love & Fear“, ein wenig ideen-überladen gewesen sein, ihr neuester Streich „Ancient Dreams In A Modern Land“ ist nicht weniger als ein Meisterwerk: Aus Rock, Pop, Jazz, Soul strickt sie einen Zehn-Song-Zirkel, ein feministisches Pop-Pamphlet mit Coolnes an der Klippe zum ironischen Kitsch, ein Empowerment mit fluffiger Popschwüle, eine Selbstermächtigung von und mit Disco und Piano.

All dies wird flankiert von selbstzweifelnd lyrischen Kleinoden, von Songtexten, die plötzliche Tiefen in Bubblegumlieder ziehen, offensive Blödsinnigkeiten in Songs, die von Depression handeln, von scharfer Konfrontation von Traurig- und Fröhlichkeit. Wer schreibt zum Beispiel so eine Strophe: „I’ve escaped many vices / like drugs and alcohol / but I can never escape / the war inside my skull / You know that love’s a gift / but it can also be a curse / always the optimist / dealing with somebody else’s can of worms“. Das Alles für die Pianoballade „Pandoras Box“, die sich auf seichten Akkorden mit Streichern aufbäumt, im Refrain komische Melodie-Kurven nimmt und gerade genug Pathos trinkt, damit man auch beim Hören merkt, dass hier eine Lyrikerin textet.

Dieses Album zeigt Popmusik als menschliche Kulturtechnik - so perfekt, dann man nie Perfektion riecht. Grandios.


Retro-Techniken für die Nuller

Die No Angels leisten Pionier-Arbeit

Die No Angels, die großen Künstlerinnen des Gewesen-Seins, des No Angels-gewesen-Seins, um genau zu sein, haben einmal wieder den Aggregatzustand des Seins, des No-Angel-Seins, um noch genauer zu sein, angenommen - sie sind zumindest temporär keine Ex-No-Angels mehr. Anlass dieser Schubumkehr raus aus dem Popstar-Ruhestand ist das 20-jährige Jubiläum ihres Debut-Albums „Elle’Ments“, von dem nun eine Celebration-Version erschienen ist. Auf dieser, sinniger Weise „20“ benannten Zusammenstellung finden sich freilich auch Songs jenseits der Elle’mente der Girlformation wieder, weshalb es eigentlich mehr ein Best-Of-Album als eine Wiederauflage des Debüts ist. 

EllemeDie No Angels haben also die entsprechenden Songs noch einmal aufgenommen und / oder remixen lassen: Sie haben die Stimme von Vanessa Petruo heraus gerechnet (denn Petruo arbeitet derzeit als Neurowissenschaftlerin an der University Of Southern California und hat dem No-Angels-Sein und dem Ex-No-Angels quasi auch adieu gesagt), sie haben die Teeniepop-Elemente der Originale ein wenig entschlackt und die Lieder insgesamt ein wenig entzuckert, um sie weniger gealtert erscheinen zu lassen. Sehr viel mehr Ideen hatte man für die Neuversionen nicht, aber die braucht es ja vielleicht auch gar nicht. Das Album ist als Retro-Projekt angelegt und organisiert: Menschen möchten das, was ihnen einst etwas bedeutete, wieder hören, ohne daran erinnert zu werden, selber 20 Jahre älter als 2001 zu sein. Das ist ein normaler Re-und-Upcycling-Prozess des Retro-Industrie-Zweigs der Popkultur.

Man könnte konstatieren, dass der Schwerpunkt des Retro-Hypes sich derzeit in zwei Richtungen wieder raus aus den 90ern bewegt: Die Reise geht zum gefühlt dritten Mal zurück in die 80er, während dem das Album „20“ der No Angels das Retro-Tor in die Nuller aufstösst. In diesem Sinne wird hier vielleicht auch Pionier-Arbeit geleistet, denn die Popkultur hat für die 80er und die 90er bereits Codes, Chiffren, Sounds und Reflexionsmuster heraus gebildet, einen Werkzeugkoffer also für kollektiv-popkulturelle Gedächtnisräume. Aber für die 00er gibt es diese Retro-Techniken noch nicht. In diesem Sinne ist No Angels’ „20“ mehr die Fragestellung, wie man es machen kann, als eine umfassende Blaupause für zukünftige Retro-Produkte des Nuller-Jahrzehnts. 

Album_No_Angels_20_coverNatürlich würde man „Elle’ments“ auch zu viel der guten Popverantwortung aufbürden, wenn es als wegweisendes Album der Nuller bezeichnen und als solches in die Retro-Küche schicken würde. Aber zumindest was Castingshows anbelangt, die zweifelsohne ein prägendes Element der Nuller waren, sind die No Angels im deutschen Raum einzigartig: Keine Castingformation oder irgendein Solokünstler hat besseren oder erfolgreicheren Bubble-Pop zustande gebracht. In Zusammenarbeit mit entsprechenden Produzenten und Hitschreibern (ich habe nachgeschaut, es sind leider nur Männer) wurde hier handwerklich stimmig der von Frauen repräsentierte und gesungene, von männlichen Produzenten geprägte RnB-Pop aus den USA nachgebaut. Und so markiert diese Platte durchaus auch den Beginn des Popjahrzehnts - in die 90er passten und passen die No Angels auch nicht mehr rein.

Dementsprechend wirken die teil-entschlackten Neu-Versionen vor allem dann pfiffig, wenn die Reduktionen nicht die damals schon zitierten Sounds und Beats betreffen. Bei der ein oder anderen Neuversion muss man sich fragen, warum man schon damals zitierte Elemente von „Elle’Ments“ für die Neufassungen weggelassen hat, weil man das Gefühl hat, gerade sie sind für sich schon retro. So klingt denn zum Beispiel die Celebration-Version von „Feel Good Lies“ deutlich muffiger als das Original - die an Timbaland erinnernden Zwischen-Beats, die zusammen-gestauchten, Destinys-Child-artigen Chöre machten die Single damals zu einem der besten No Angels-Songs überhaupt, während die nun erschienene Überschreibung öde und leer klingt.

Aber summa-summarum muss man dem heute erschienenen Jubiläums-Album attestieren, als das, was es sein möchte, zu funktionieren, und vor allem fällt auf, dass die No Angels und ihr Popentwurf selbst aus heutiger Sicht angenehm divers sind. Man kann sich gut vorstellen, dass die vier Sängerinnen im gerade beginnenden Popjahrzehnt ihren Platz finden.


Elefant ohne Porzellanladen

Die Ohren auf Deutschpop werfen - Folge 17  

Was, wenn die Mehrheit der Popmusiker:innen, die deutsche Songtexte singen, die Warnung des Poptickers beherzigten und sich Alleinstellungstrategien ersönnen, auf dass Deutschpop nicht in der Nähe des Schlagers inflationär verbrenne? Dies wäre natürlich zu viel des Guten und aus Sicht des Poptickers schon ein wenig anmassend. Aber vorurteilsfrei Musik zu hören und eben deren Musiker:innen den Anspruch zugestehen, sich nicht nur aus dem Setzkasten der Popstilmittel welche auszusuchen, damit man seine statistische Erfolgschance erhöht, das ist für die hiesige Kolumne ohnehin ein Anspruch. JorisUnd in diesem keimt die Hoffnung, dass auf diese Weise wird auch teils sehr erfolgreiche Deutschpop reflektiert wird, für den es so gut wie keinen Popjournalismus gibt.

Wie wenig man in die Trickkiste greifen muss, um originell zu sein und nicht nur nach Menschen-Null-Acht-Leben-Fünfzehn-Welt zu tanzen und zu klingen, zeigt der Sänger Joris mit dem Song „Nur die Musik“ von seiner neuen Platte „Willkommen Goodbye“: Eine gepfiffene Melodie als catchy Hook, ein verschleppter und gleichzeitig wandernder Rhythmus, ein semi-perfekter Chor in der Bridge - schon man man dem mittelalten Affen Popmusik ein wenig Blues Winuntergehoben, einen Ohrwurm erschaffen und sich des Schlagers entledigt - guter Song. Zwar sind auf erwähntem Album auch Lückenfüller und Popgerichte nach Rezeptbuch, aber insgesamt weiß dieser junge Mann, wie sein Pop sein könnte, und es macht Spass, ihm dabei zuzuhören.

Wincent Weiss ist dann wiederum im Vergleich dazu klassischster Deutschpop, wie er noch vor ein, zwei Jahren die Charts verstopfte: Instrumente und Elektrik halten sich die klare fifty-fifty-Waage, es gibt altbekannte Ouh-Oh-Chöre und die vielen Ingredienzien eines schlager-affinen Popentwurfs - je nach Song werden bekannte Register gezogen, Gewürze untergehoben und Stilmittel zitiert. Wie bei vielen solcher Platten kann man aber auch nichts wirklich dagegen sagen. Aber dafür fällt einem auch nicht so viel ein. Mich lassen diese Lieder frappant kalt. MineAuch die Texte sind ein wenig unterkomplex: „Sind Fragen da, hast du 'nen Plan / Planst du zu viel, bin ich spontan.“ - mh. Es sei an der Stelle trotzdem erwähnt, dass Wincent Weiss sehr sympathisch ist.

Die Sängerin Mine hat sich ein wenig zum Kritiker:innnen-Liebling des Deutschpop gemausert. Ihre subtil rätselhaften Texte, der Mix aus Hip-Hop-Zitaten, zuckersüssem Pop und Singer- und Songwriting  lädt auch zum Interpretieren ein, und ich denke schon seit Längerem, dass ich das sicherlich auch mag. Aber mir blieb die Musik bislang irgendwie zu entfernt, zu trocken - das Erratische drang nicht zu mir durch, weil es nichts so recht wach rief. Auf der neuen Platte „hinüber“ aber ist das jetzt anders, die neuen Lieder berühren mich. Der Titelsong im Duett mit Sophie Hunger zum Beispiel vermag es in klassischen 3 Minuten, eine poplastige Schwülstigkeit in die Luft zu malen, die aus dem Nichts kommt und nie preis gibt, was sie erzählen will - wenn Mine so dicht bleibt, so undurchlässig, da in sich geschlossen, dann funktioniert der antiseptische Popentwurf ganz vortrefflich, weil er sich selber zu karikieren scheint und gleichzeitig keine ironischen Stilmittel verwendet. Auch der Popfunk von „ELEFANT“, bei dem man die ganze Zeit auf den Porzellanladen wartet, der aber dann doch unerwähnt bleibt, hat Größe: „Ein Elefant im Raum (Du siehst ihn) / Ich seh' ihn, du siehst ihn auch, Babe / Die Uhr hat schon zigmal geschlagen / Ich frag' dich, hast du keine Fragen?“ - wenn sich wie hier Text und Musik hinter zwei Rücken und drei Türen die Hand geben, dann kann Popmusik mit deutschen Lyrics wirklich toll sein. ClaudiaÜbrigens war der Move von Mine, ihren Song „Unfall“ vorab covern zu lassen, auch sehr schön - die Version ihres Songs war noch nicht erschienen, da bat sie Fans und Musiker:innen, den Song doch selber einzuspielen - anhand von Texten, Noten und Chords. 96 Versionen sind eingegangen. Findet man alle noch < hier > .

Apropos Cover - Cover-Alben mit Klassikern deutscher Popmusik sind mittlerweile auch keine Seltenheit mehr. Und nachdem Heino die Beginner gecovert hat, scheint es hier auch keine wirklichen Grenzen mehr zu geben. Nun hat die Sängerin Claudia Koreck ein zurückhaltendes Pianopop-Album gemacht. Es heißt „Perlentaucherin“ und Claudia Koreck covert hier schnörkellos die Ärzte, Echt, Grönemeyer oder Westernhagen. Bei dieser Platte spricht eigentlich alles dafür, dass man das für ideenlosen Blödsinn hält, aber auf eine sehr direkte Art und Weise gefallen mir die sehr simplen, manchmal Danaber in den Chamberpop rein-schnuppernden Versionen von etablierten Popsongs sehr. Die Interpretation, das Eigene liegt hier im Gesang, das Konzept liegt im Sound des Albums. Hört doch da mal rein. 

Wenn man schon bei einem Piano-Album ist, dann sei hier kurz eingeworfen: Danger Dan ist natürlich großartig, aber das wissen schon alle, das muss man hier nicht als Erkenntnis etablieren. Es sei hier nur der KleeVollständigkeit halber erwähnt: „das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ ist natürlich eines der besten deutschsprachigen Alben der letzten Jahre.

Und dann haben wir noch die alten Haudeg:innen von Klee. Diese Band, wenn wir sie kennen, erkennen wir wieder, weil sie immer noch klingen, wie vor einer recht langen Album-Pause; und so ist dann der Titel „Trotz alledem“ wohl auch programmatisch. Als Klee sich gegründet haben, hat man noch über eine Radioquote für deutsche Poplyrics gesprochen, und gleichzeitig schwappte gerade eine kleine Welle von Popsongs aus Berliner Radiostationen in die Welt. Und Klee 2021 klingen wie eh und je: Optimistisch fluffiger Syntiepop mit bescheiden-selbstbewusst singenden Ichs, weiten Flächen und der beiläufigen Art zu singen von Suzie Kerstgens: „Alle optimieren sich - ich nicht. Und alle retuschieren sich - ich nicht. Alle reduzieren sich oder reproduzieren sich - ich nicht. Alle werden immer dünner, und alle ham nen Ring am Finger - ich nicht. Alle glauben jeden Scheiß und alle so: Nice!“ - ja das ist schon irgendwie schöne Popmusik. Aber vielleicht ein wenig erwartbar - wir erkennen es gerne wieder, aber nicht im Neuen sondern im Beständigen. Auch ein Konzept natürlich.