Von der Kunst sich zu verirren
Genie in der Flasche

Scooby-Doo-Dampframme

Pop aus der Post-Depression der Musik-Industrie Teil 2: Hayley Kiyoko

„Despacito“ ist erfolgreich als Erfolgsformel zum Franchise frei gegeben, (Nummer 1 der deutschen Single-Charts ist derzeit ein Lied namens „La Cintura“) da schickt die amerikanische Musik-Industrie auch schon den nächsten möglichen Superstar in die globalisierten Startlöcher: Hayley Kiyoko. Die ist, wie der Name schon vermuten lässt, Amerikanerin mit japanischen Album-roundWurzeln und schickt sich an, mit übersexualisiertem Hyper-Popentwuråf Katy Perry und Taylor Swift und deren Cleanpop links liegen zu lassen. Dass Hayley Kiyoko mit einem Film bekannt wurde und nunmehr zum Popstar per 4D-Drucker zum Star aufgebaut werden soll, zeigt dabei nur, dass Kiyoko zunächst nur Repräsentations-Qualitäten hat - der Pop, der ihr unter diese Aufgabe produziert wurde, hat vermutlich wenig bis gar nichts mit ihr zu tun, aber das ist natürlich wirklich egal. Der Film, mit dem sie bekannt wurde, heisst bezeichnender Weise „Scooby-Doo“.

Das Debut-Album, das nun also der Startblock der globalen Karriere sein soll, nennt sich „Expectations“ und ist ein markiger Bombast-Pop, bei dem schon das Intro klingt und heisst, als würde ein sechs-stündiger Muscial-Film eingeläutet: „Expectations / Ouverture“ sind Synthie-Flächen mit Buckelwal-Gesangszitaten, elektrischem Cello und „Ouuh Ohh“-Chören - da klingt jede Bluetooth-Boombox wie eine Konzert-PA. Dann kommt natürlich Soulpop mit Beats und einigen Prisen K-Pop, J-Pop und Bubble-Pop. Diese Musik ist so effektreich verschnürt, dass man eigentlich nie irgendwo Einspruch erheben und sagen könnte: Moment mal, das gefällt mir gar nicht. Dazu bleibt keine Zeit. Das klingt alles so zweifelsfrei wie eine Schaumbad am Ostermorgen und so positiv, positiv, positiv!

Die derzeitige Single „curious“ ist zwar weitestgehend melodiefrei, aber das Party-Video ist so bunt und so dampframmensexy, dass man sich eher schämt, bis man aufgibt und aber nicht dazu kommt, zu fragen: Was soll denn das? Naja, klar - das ist keine Musik, die sich an mich richtet, aber blöd finden kann ich sie wohl trotzdem.

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