Heute neu - die Kolumne am Freitag
Heute neu - die Freitagskolumne

„Kennst du das auch?“

- fragt Laith Al-Deen seine Hörer:innen, und diese kennen das auch

Als Laith Al-Deen seinen Signature-Hit „Bilder von Dir“ sang, war Mark Forster gerade dabei, Abitur zu machen - seit 24 Jahren schon ist Al-Deen im Geschäft, und das Urgestein es Deutschpop hat schon mit dem Schlager geliebäugelt, da war der Begriff Deutschpop noch nicht erfunden, und Schlager galt noch als verpönt. Nun hat Laith Al-Deen eine neues Album veröffentlich, es Bildschirmfoto 2024-04-23 um 12.43.25 heißt „Dein Begleiter“ und chargiert gekonnt zwischen den Stühlen Pop, Deutsch-Soul und urbanem Schlager, und Dein Begleiter, nun, das ist natürlich niemand Anderes als Laith Al-Deen selber; jedenfalls kommt diese Musik so daher: Sie will Dein Begleiter, Schutzengel, Therapeut und Leitfaden sein, und diese hehren Ansprüche können natürlich nur erfüllt werden, wenn man potentielle Probleme potentieller Hörer:innen auf einen Nenner bringt. Das liest sich dann so: „Bist für ne Zeit lang abgetaucht / Warst mit dir selbst im Schlagabtausch / Kriegst keine Luft völlig abgeraucht / Es fühlt sich an als hört es niemals auf.“ singt Al Deen zum Beginn des Titelsongs. Und ja, so funktioniert Deutschpop: Singe von Problemen, die Du dann, einmal herauf beschworen, zersingen kannst. Das kann man aber völlig geschmacklos machen, wenn zum Beispiel Max Giesinger meint, dem Mittelstand mit seinem Allerweltspop Hedonismus und Freiheit anzubieten, oder aber man macht es wie Laith Al-Deen: So abgedroschen die poplyrischen Phrasen aus dem Setzkasten auch sein mögen, aber diesem Schrank von einem Mann mit Hipsterbart und Flanellhemd glaubt man irgendwie doch, dass er das, was er verspricht, Trost zu bieten in einer trostlosen Zeit nämlich, auch wirklich ernst meint: „Wir brauchen alle n Paket Hoffnung, ich seh’ nur ich, ich seh’ kein Viel / auf der Suche nach der Ordnung, die wir trotz Freiheit verlieren.“ - singt Al-Deen später auf dem Album in seinem Song „Paket Hoffnung“, und da muss man ja jetzt nicht vor Begeisterung auf die Knie sinken, aber verbunden mit leicht spanisch anmutenden Gitarren, kommt schon ein Popmoment zustande, der eine Form Authentizität und Wärme verstrahlt. Musikalisch hat Al-Deen auf diesem einen Album mehr Ideen als alle Forsters, Giesingers und Bendzkos zusammen genommen, und, ja, irgendwie funktioniert das Ganze ganz okay.

 

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