Pop mit deutschen Texten

Heute neu - die Freitagskolumne 100524

Bildschirmfoto 2024-05-10 um 17.20.24/// Die Zeit ist natürlich immer ein Poptopos, und da Pop immer auch etwas Ungefähres bleiben möchte, eignet sich ein irgendwann immer für Poplyrics - im Niemandsland der Koordinaten sang Nena einst: „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“. Pascal Blenke genügt ein Irgendwann, und es ist auch nur das letzte Wort in seinem Song, der dennoch „irgendwann“ heißt, und dort singt er zuvor über die langsame Zeit der Liebe: Bildschirmfoto 2024-05-10 um 17.20.01„Zeit steht oft still, wenn wir sie gemeinsam verbringen.“ - dieser Song schleppt sich an sich ein wenig höhepunktslos durch die Zeit, aber wenn man da mit geht, strahlt diese leise Folk auch Ruhe und Gelassenheit heraus. /// Video-Premiere 10.05.24 um 18 Uhr < Hier >. /// Yvonne Catterfelds Stimme höre ich eigentlich immer gerne, und dass ihr neuer Song soundmässig den Pop im Quadrat von Dua Lipa zitiert, ist auch ein netter „Move“, wie das Ganze auch heißt, aber die Lyrics dieses Liedes scheinen direkt aus der Improvisation auf das Instrumental übernommen zu sein - so setzkastenmässig sollte man Pop nicht dichten: „Put the music on and feel right, see me dancing in the streets, I’m not waiting for tomorrow, just gotta go.“ - aber ach was soll's, geht schon. /// Video < Hier > ///


„Kennst du das auch?“

- fragt Laith Al-Deen seine Hörer:innen, und diese kennen das auch

Als Laith Al-Deen seinen Signature-Hit „Bilder von Dir“ sang, war Mark Forster gerade dabei, Abitur zu machen - seit 24 Jahren schon ist Al-Deen im Geschäft, und das Urgestein es Deutschpop hat schon mit dem Schlager geliebäugelt, da war der Begriff Deutschpop noch nicht erfunden, und Schlager galt noch als verpönt. Nun hat Laith Al-Deen eine neues Album veröffentlich, es Bildschirmfoto 2024-04-23 um 12.43.25 heißt „Dein Begleiter“ und chargiert gekonnt zwischen den Stühlen Pop, Deutsch-Soul und urbanem Schlager, und Dein Begleiter, nun, das ist natürlich niemand Anderes als Laith Al-Deen selber; jedenfalls kommt diese Musik so daher: Sie will Dein Begleiter, Schutzengel, Therapeut und Leitfaden sein, und diese hehren Ansprüche können natürlich nur erfüllt werden, wenn man potentielle Probleme potentieller Hörer:innen auf einen Nenner bringt. Das liest sich dann so: „Bist für ne Zeit lang abgetaucht / Warst mit dir selbst im Schlagabtausch / Kriegst keine Luft völlig abgeraucht / Es fühlt sich an als hört es niemals auf.“ singt Al Deen zum Beginn des Titelsongs. Und ja, so funktioniert Deutschpop: Singe von Problemen, die Du dann, einmal herauf beschworen, zersingen kannst. Das kann man aber völlig geschmacklos machen, wenn zum Beispiel Max Giesinger meint, dem Mittelstand mit seinem Allerweltspop Hedonismus und Freiheit anzubieten, oder aber man macht es wie Laith Al-Deen: So abgedroschen die poplyrischen Phrasen aus dem Setzkasten auch sein mögen, aber diesem Schrank von einem Mann mit Hipsterbart und Flanellhemd glaubt man irgendwie doch, dass er das, was er verspricht, Trost zu bieten in einer trostlosen Zeit nämlich, auch wirklich ernst meint: „Wir brauchen alle n Paket Hoffnung, ich seh’ nur ich, ich seh’ kein Viel / auf der Suche nach der Ordnung, die wir trotz Freiheit verlieren.“ - singt Al-Deen später auf dem Album in seinem Song „Paket Hoffnung“, und da muss man ja jetzt nicht vor Begeisterung auf die Knie sinken, aber verbunden mit leicht spanisch anmutenden Gitarren, kommt schon ein Popmoment zustande, der eine Form Authentizität und Wärme verstrahlt. Musikalisch hat Al-Deen auf diesem einen Album mehr Ideen als alle Forsters, Giesingers und Bendzkos zusammen genommen, und, ja, irgendwie funktioniert das Ganze ganz okay.

 


Heute neu - die Kolumne am Freitag


Can I call you up tonight_ ArtworkHätten Jacob Fortyhands in ihrer Kurzbio stehen, dass sie einen Songwriting-Kurs bei Coldplay belegt hatten - man würde es sofort glauben: Alternative-Pop, der immer nach Stadionbreite schielt, sich dabei selber aber nicht zu ernst nimmt - letztlich aber doch in tiefe Emotionen mitnehmen will. Das ist natürlich ein Rezept, das immer auch schief gehen kann - wie ein Soufflé, das nicht aufgehen will oder wieder in sich zusammen sackt, wenn man es aus dem Ofen nimmt - ein Popentwurf mit hohem Risiko also, wenn man so will. Aber Jacob Fortyhands haben meistens die Melodien und Refrains im Gepäck, mit denen der Laden läuft - so auch bei der neuen Single „Can I call you up tonight?“: Easy Riff, fluffige Bridge, charmante Hook. Sie machen also alles richtig, so sehr, dass man sich bei dieser Band wünscht: Macht ruhig auch mal was falsch. /// < YouTube-Kanal > /// Bildschirmfoto 2024-04-17 um 12.48.20 Nicola Rost ist als Solokünstlerin kaum bekannt, obgleich sie eine der cleversten Autor:innen deutscher Songtexte ist, die wir haben, und zudem eine fantastische Sängerin: Bekannt ist sie eben als Mitglied von Laing, die ihre großartigen Chansons über Liebe und Nicht-Liebe im Großstadt-Dschungel als Elektropop umsetzen. Da Rost aber so sehr Laing ist und die anderen Sängerinnen auch ein ums andere Mal schon gewechselt haben, fragt man sich ein wenig, warum sie nunmehr auch solo veröffentlicht: „Paare, die nie streiten“ heißt ihre zweite Single, und ein Album kommt auch demnächst. Der Song ist an sich klassischer Laing-Pop, aber so ganz kommt das Ding nicht aus dem Quark: Die Synthies knarzen nicht ganz so präsent, der Beat bleibt ein klein wenig im Hintergrund, und was auch fehlt, sind eben die einzigartigen dreistimmigen Kurz-Chöre, die den lakonischen Rost-Gesang so gekonnt aus dem Pop in den Chanson heben. Kurzum: Nicola Rost klingt ohne Laing ein wenig wie ein Sängerin, die gerne wie Laing klingen würde. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ein Album von Rost doch toll ist - bzw. ich glaube, dass Nicola Rost nicht in der Lage ist, ein schlechtes Album zu machen. /// < Video > ///


Songs zum Sonntag /// 140424

Apnoe/// Tiefseetaucher greifen auch mal nach den Sternen - jedenfalls die Band Apnoe mit ihrer neuen Single „Sterne greifen“: Auch im Deutschpop, Verzeihung, nein, das ist es wirklich nicht, Deutschrock ! - auch im Deutschrock kommen die 90er wieder, nachdem die 80er schon in der dritten Zweitverwertung der zweiten Renaissance ins kulturelle Poperbe übergegangen sind: Bei Apnoe kniedeln die Gitarren, dass es eine Freude ist, und auch wenn Wut und Nachdenklichkeit irgendwie noch nebeneinander her zu laufen scheinen, ohne in einem homogenen Rockentwurf aufzugehen, macht es Laune hier geworfene Kürbisse und Weezer durchzuhören, Bildschirmfoto 2024-04-15 um 09.15.34wenn dabei Sätze gesungen werden wie dieser hier: „Ideen bedeuten nichts./ Man schätzt erst was sie nach sich ziehen“ - Apnoe aus Hamburg sind vielleicht noch nicht ganz bei dem angekommen, was ihnen als Band vorschwebt, aber wenn Pop nur aus Musik bestünde, die schon fertig und perfekt ist, würden wir uns auch schrecklich langweilen. /// https://apnoemusic.de/ /// „Kommando Elefant“ könnte man schon Deutschpop nennen, jedenfalls dann, wenn man den Begriff als solchen nicht schon negativ eintütet - hier hören wir jedenfalls Synthpop at it’s best, der jedes 80er-Retro-Gehabe schon in eigenes Erklingen integriert hat. Die neue Single „ich will Dich nicht verlieren“ hätte man, anders produziert, auch als Schlager Bildschirmfoto 2024-04-15 um 11.41.10ausbauen können; wie eine rote Traube zum Rosé wird das leicht schlüpfrige des Songtextes („Ich will Dich in die Arme nehmen, ich will Dich zelebrieren.“) hier aber zum weitschweifig zweifelndem Popsong, der sich ein wenig älter anhört, als er zugeben mag. /// http://kommandoelefant.at/ /// Und es gibt auch Neues von Lena: Die Vorabsingle „Loyal To Myself“ ihres kommenden Albums gleichen Namens. Das ist, wie man es von Lena mittlerweile gewohnt ist, durchproduzierter Bubble-Pop, dessen Loyalität, wenn man dieses Wortspiel erlaubt ist, eher dem Mainstream als der eigenen Persönlichkeit gilt - mithin also schon eine verheissungsvolle Lüge, doch was wäre Pop schon, wenn er nicht gut lügen würde? Oder anders gefragt: Was hat Lena von der Loyalität zu sich selbst, wenn diese klingt wie der Durschschnitt schwedischer Hitmaschinen? Immerhin: Hier wird jede Boombox zur Konzert-PA. /// https://www.lena-meyer-landrut.de/ ///


Du hast den Pop schön ///

Bildschirmfoto 2024-04-04 um 11.37.29/// Neue Songs vom Freitag den 05.04.2024 /// Das Genre Pop als solches ist nicht nur in seinen Melodien und Rhythmen im Grunde ausbuchstabiert - auch in seinen Verheissungen, Effekten und Ironie-Patterns. Und in seinen Einflüssen. Wer was auf sich hält, packt mindestens 5 Sub-Genres in einen Song, und Popmusik heute, sei sie Indie oder Mainstream,  entsteht immer auf dem Bett der potentiellen Verfügbarkeit allen Pops, und immer hören wir also andere Lieder, Stile, Einflüsse. Das ist auch bei der Band „Varley“ nicht anders, auch nicht bei ihrem leicht unterspanntem, neuem Song „same old kid“ - Folk-Pop mit charmanten Dahbap-Chören, trockenem Bassdruck von unten und stimmlicher Lakonik der Sängerin Claire-Anne von oben - fertig ist die Laube. Und diese Laube des deutsch-irischen Trios erzählt von einer eingegangen Freundschaft, so dass sich der Laubensong von innen heraus auch mir Melancholie auflädt: Eine keineswegs pessimistische Poptraurigkeit spricht aus dieser Musik, die also alles Artwork : weesby : Selbstopti hat, was guter Pop braucht, aber all dies Alles vielleicht noch nicht zu 110 Prozent zusammen hält. Aber echt schön! /// „Wenn ein Song mit „Du hast Deine Morgenroutine, ich habe meine Kaffeemaschine“ anfängt, finde ich das erstmal schon mal wahnsinnig sympathisch, und wenn dann in Zeile 5 und 6 der Reim mit den Worten „Termine“ und „Aubergine“ noch mal aufgegriffen wird, dann hat mich das Lied eigentlich - auch wenn es zurückhaltend daher hopst wie eine Ed-Sheeran-Coverband, nein nein, diese Sängerin, die „weesby“ heißt, hat mit „Selbstopti“ einen prima Deutschpopsong über das Gegenteil des Titels gemacht: Es geht mehr um die 240313_Gutes Mädchen_YT ThumbnailWeigerung der Optimierung; und dass diese auch wieder anstrengend sein kann. /// Im gewissen Sinne hat die neue Single von Alenna Rose dasselbe Thema, denn das titelgebendes „Gutes Mädchen“ möchte die Sängerin natürlich nicht sein. Während weesby besagte Optimierungsverweigerung mit den Mitteln der Melancholie sichtbar macht, geht  Alenna Rose den Weg der Ironie und holt sich eine Prise NDW ins Boot. Bildschirmfoto 2024-04-04 um 11.51.55Da muss man schon fast wieder ein wenig aufpassen, denn die neue neue deutsche Welle ist kurz davor, wieder zu nerven und abzuebben, bevor sie richtig in Schwung kam. Dennoch ist „Gutes Mädchen“ nicht nur retro sondern auch und irgendwie heutig und vor allem irgendwie lässig und da Pop also auch primstens. /// Wie man der Falle vomn zuviel NDW-Referenz entgehen kann, indem man kurzer Hand einen eigenen Stil für sich findet, kann man nach wie vor bei „ok.danke.tschüss“ lernen: Ihre neue Utopie in Songform „Das neue Normal“ ist fröhliches Schwelgen in Ideen, wie schön es wäre, wenn es schön wäre - das ist eben das schöne an Pop: Kurze Zeit kann plötzlich alles gut sein - Eva Sauter kann Texte schreiben, die das auslösen. ///

Links:

/// Varley < Website> /// weesby < YouTube-Channel > /// Alenna Rose "gutes Mädchen"  < Video > /// ok.danke.tschüss < website > ///


Ich bin wichtig

Antje Schomaker möchte snacken

Was Antje Schomaker kann, kann nur Popmusik: So blubbernd anspruchslos mit Selbstermächtigung und Motivationen heraus blubbern, das so gar nichts mehr anspruchslos erscheint, und gleichzeitig mit so wenigen Türen in so viele Häuser fallen, dass Bildschirmfoto 2024-03-12 um 14.26.00etwaig düstere Einbrecher gar nicht erst vertrieben werden müssen, weil diese mittanzen - das muss man erst einmal können.

„Snacks“, Schomakers aktuelles, auch schon wieder 5 Monate altes Album, ist auch erst Ihr Zweites. Aber seit dem Folk-Pop auf dem Debüt „Von Helden und Halunken“ 2018 ist einiges geschehen und erschienen - Singles und Kollaborationen, die von einer Stilsuche erzählen, die immer wieder bei sehr schönen Ideen angekommen war: „Ich muss gar nichts“ schleuderte Sprechgesang auf die NDW, „Verschwendete Zeit“ erinnerte im Sound ganz allgemein von den 80ern, und bei „Ich bin wichtig“ für die achte Folge Kinderpopreihe „Unter meinem Bett“ fand sich ein ganz und gar unverstellter Weg, sich mit Songtexten zu öffnen und gleichzeitig sehr direkt an Hörer:innen zu wenden. Auf diesen drei Eckpfeilern  - gesprochener Gesang , 80s-Remiszenzen und verstrahlt ehrliche Songtexte - beruhen nun die Songs auf „Snacks“: Schomaker holt die Gitarren zurück und elektrifiziert sie, um also einen Indie-Pop-Rock mit herrlichem Blödsinnn bis hin zu sagenhaft lyrischer Ehrlichkeit auszurollen, in dem man sich herrlich emotional verheddern kann - das mag vielleicht nur Pop sein, aber es gibt Dinge, die nur Pop kann, wenn er von denn von solch tollen Musiker:innen ist wie Frau Schomaker …


Kunstsprache und Popentwürfe

JjGHXi0owas heute so erscheint ::: die Freitagskolumne ::: 190124 ::: FROHES NEUES JAHR ::: „Der Songtext steht in weiten Teilen für sich. Da gibt es wenig im Dazwischen. Nichts soll unverständlich sein, nichts um die Ecke gedacht“ - dies sagt RAHEL über ihr neues Lied „nicht mal Nihilist“ und unterschätzt damit fast schon die eigenen Lyrics, denn zwar lebt der Songtext ihres neuen Liedes von der Direktheit, die sie anspricht, dennoch aber ist hier eine Stufe von Kunstsprache, die das ganze zu Musik macht, eingewoben, die ich sehr toll finde: »Sie ist so abgefucked, Drinnen so abgefucked, Sie hat das Geldzählen und das Nicht-Satt-Werden so satt. In ihrem Bett da liegen Körper, Sie weiß nicht genau seit wann. Sie hat sie mit heim genommen. Eines feuchten Morgens irgendwann« Für die Musik, die darunter liegt, mischt RAHEL Bandpop der 80er (teils erinnert der Sound an Bildschirmfoto 2024-01-19 um 11.29.55„Cutting Crew“) mit Hamburger Schule der Nuller, hebt Gitarren unter und schaut dann mit ironischer Wut und Wucht auf diesen ihren versierten Stilmix. Und dann taucht aber auch irgendwo Hoffnung auf, denn immerhin: Wer hier besungen wird, sei nicht mal Nihilist geworden. Ein bemerkenswerter Aufschrei von Song, und insbesondere mit Differenz zur relaxten Vorgänger-Single „Schaffner“ darf man auf das Debut-Album von RAHEL gespannt sein, das im März kommt. ::: https://www.youtube.com/@radikalrahel/featured ::: Deutlich elektronischer und textlich ein wenig weniger wütend und also subtiler geht es in dem neuen Song von Yosu "Träume" zu (der auch schon mal bei „The Voice“ auftauchte): „Meine Träume träumen noch“, singt er in dem Lied über die Träume, IMG_6133
die er noch nicht weckt - eine Gedankenwelt also, könnte man sagen, wie in dem Film „Inception“: Die Träume der Geträumten. Die Musik von Yosu ist melodisch, bescheiden, beatig, seicht glitzernd und immer auch ein wenig an der Grenze zum Kitschigen, wo man Ecken und Kanten vermissen würde. Aber es ist eben immer nur am Rande dessen, und Rändernähe ist im Pop eine Tugend - fluffig im Innern dieses Liedes hier grüßt uns leichte Ironie, und alles bleibt ausgewogen. ::: https://yosu.live/ ::: Der zweifelnd funkelnde Dream-Folk  von „Sorin“ mit Elektro-, Chor- und Streicherflächen aus Soundfernen, wie man das aus dem Folktronica auch kennt, steht in gewissen Sinne für einen vollkommen anachronistischen Popentwurf: Die Zeit, die Sorin sich hier für seine musikalische und lyrische Selbstreflexion nimmt, hat man heute selten für das Marketing von PefferPop, der innerhalb von 30 Sekunden zum Punkt kommen muss, um als im ökonomischen Sinne gestreamt zu gelten. Aber natürlich ist das eine lohnende Entschleunigung, wenn man dann beim zweiten, dritten Hören seines neuen Liedes "Let You Know" den fluffig fernen Beat entdeckt, ein Cello ausmacht und sich über den Text freut, der von der Intuition erzählt, welche es exakt braucht, um diesen Pop sich zu erhören. ::: https://www.youtube.com/@sorin4271/featured ::: Wundervolle deutsche Songtexte sind nach wie vor rar gesät - aber Eva Sauter, Sängerin der großartigen „Ok.Danke.Tschüss“, die kann sie schreiben. Ihr neues Lied „Pfeffer“ muss man nur zitieren: „Diese Stadt gehört mir nicht mehr, du hast ihr alles genommen, sogar die Drecksratten. Jetzt sag mir, was krieg ich von Dir - noch nicht mal n labbriges T-Shirt hast Du liegen lassen. Ich find diese Heimat nicht mehr, die ich mal an dieser Stadt fand. Da, dann geb ich jetzt dir und mir diesen gottverdammten Abstand.“ - das ist so schön, Tränen. ::: https://www.okdanketschuess.de/ :::


... und Songs des Jahres

... wie immer kommen in meinen Songs des Jahres keine Titel vor, die auf einem der Alben des Jahres sind - es ist natürlich immanent, dass mir Lieder auf klasse Platten gefallen ...

Bildschirmfoto 2023-12-20 um 12.06.3501 Sophie Hallberg / I had it all < video >

02 Florian Paul / an und für sich < video >

03 Lou-Adriane Cassidy, Ariane Roy & Thierry Larose  / Le Roy, la Rose et le Lou[p] < audio >

04 Les Amazones d'Afrique - Kuma Fo (What They Say) < video >

05 Paula Carolina / schreien - < video >

06 Mina Richman / Nearly To The End < video >

07 Kylie Minogue / Padam Padam < video >

08 Marika Hackmann / no caffeine < video >

09 Björk ft. Rosalía / 0ral < video >

10 Olivia Rodrigo / vampires < video >


Deutschpop ist keine ICE-Haltestelle mehr

Foto 22.10.23  19 21 08::: Bereits vor ein paar Wochen ist ein neuer Song des in Rumänien geborenen Popmusiker „Sorin“ erschienen: „Shallow Waters“ beginnt als sich verlierende Folk-Ballade und gleitet sanft in Dreampop-Sphären, in denen innere Bilder rauschhaft wirken können. Dieser Art von Spacetrip kann man sich nicht bei jedem Hören überlassen, aber wenn man das Ganze an sich ranlässt, trinkt man mit Bon Iver auf dem Mond einen Rotwein - weird! ::: < VideoLink >::: Pink hat zusammen mit Sting und mit dem DJ und Prodcucer, der einen leeren Farbeimer auf dem Kopf trägt, einen Song von Sting überschrieben - „Fields Of Gold“; nämlich, dessen zentrale Melodie hier nun auch bei "Dreaming" den Refrain stellt - im Dance-Rhytmus der Stadion-Disko. Braucht das Irgendwer? Nein. Richtet es Schaden an? Nein. ::: Die junge Popsängerin „mille“ veröffentlicht heute ihren Song „Heimat“, und das ist astreiner, gut gemachter Deutschpop - Bildschirmfoto 2023-12-15 um 10.52.24eine Klavierballande, die sich mit Stimmeffekten, seichten Beats und Gitarrenriff auflädt und ein wenig einer emotionalen Entladung entgegenstrebt, die dann aber ausbleibt - und dieses Nichteinlösen scheint mir aber absichtlich da klassische Deutschpop-Dramaturgie; das gefällt mir so weit ganz gut, aber ob das wirklich noch funktioniert? Bei aller Sympathie für diese Sängerin, „mille“: Auf diesem Deutschpop-Bahnhof hält seit diesem Jahr kein ICE mehr. ::: < Video-Premiere> Freitag 15.12. um 14 Uhr ::: XYTtGvug "Davon geht die Welt nicht unter", sang einst Zarah Leander, und nun hat der Singer- und Songwriter FALK diese Zeile für sich entdeckt und seinen neuen Song so genannt. Der Song kommt im Deutsch-Rockgewand daher: In den Strophen reiht FALK Ungereimtheisfloskeln des Alltags aneinander, von denen er im Refrain dann subsumiert, die Welt ginge davon nicht unter; was auch stimmt. Auch hier muss man aber konstatieren, dass die Kapelle auf dem sinkenden Schiff Deutschpop weiter Schlager spielt, während andere auf die Rettungsboote klettern - und es kommt immer noch Nachwuchs hinter her. Leicht wird es FALK mit diesem seinen Popentwurf also nicht haben, da helfen auch meine Sympathien wenig. ::: < Song-Visualizer > ::: Die Soul-Popwerpop-Ballade „You Owned Me“ des jungen Popsängers Bildschirmfoto 2023-12-15 um 11.07.20„Battal“ kommt dramatisch daher - und handelt auch von Dramatischem: Sie berichtet von Missbrauch und häuslicher Gewalt durch den Vater des singenden Ichs; aber auch von der Bewältigung dieser entsetzlichen Erfahrungen nicht zuletzt mit eben diesem Song. Mag die Befreiung aus Zwängen und die daraus resultierende Selbstfindung auch ein oft besungener Topos der Popmusik sein - hier wird man mit emotionaler Wucht fast schon überrollt: „When you owned me, / Did you feel powerful? / When you disowned me, / Did you think I care about you / When you owned me, / Did you feel powerful? / Cause now that I own me, / I got the power to let power go.“ - beindruckend ehrlich - Respekt. ::: Battal < Linktree > :::